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Mein Körper gehört mir – Über Sexismus und Genitalverstümmelung

Mein Körper gehört mir. Eigentlich sollte dies so selbstverständlich sein. Und doch werden in den letzten Tagen und Wochen immer mehr Fälle von sexueller Belästigung gegenüber Frauen bekannt. Ich glaube sogar, dass jede Frau das kennt. Ich kann hier nur von mir sprechen, aber ich glaube, dass es tatsächlich jede Frau betrifft.

Was tun, wenn Mann mich unerlaubt anfasst?

Kürzlich sprach ich mit einer Freundin, was Frau denn machen könne, wenn sie mal wieder von einem Typen in einer Bar oder einem Club angegrabscht wird. Sie sagte; „schnell zurück schlagen“. Sprich, auf den Fuß treten oder den Ellenbogen in den Bauch rammen, eine Ohrfeige. Irgendwas, aber das ganze auf keinen Fall unkommentiert lassen.

Zuletzt habe ich mich mit dem Thema Konditionierung beschäftigt. Vielleicht können wir Frauen diese Männer konditionieren und zeigen dass wir das nicht dulden? Das wird meines Erachtens schwierig: Konditionierung ist, wenn wir diese Lerntheorie auf den Menschen übertragen, doch komplexer, als das Experiement mit Pawlows Hund…
Was wenn diese Männer es sogar eher belustigend finden, wenn Frauen ihnen auf den Fuß treten, als Reaktion auf das Gegrapsche, und sie dies gar nicht als negativen Reiz wahrnehmen?
Diese Woche habe ich einen Artikel darüber gelesen, dass Männer zu Feministen werden müssen, damit sich etwas ändert.

Wahre Männer sind Feministen!Click To Tweet
Vielleicht hätte ich den Typen in der Bar, der mir einen Klapps auf den Hintern gab zur Rede stellen sollen, vielleicht hätte ich mit den Barkeepern oder, wenn es sie gibt; Türstehern sprechen sollen, dass dieser Mann hier Frauen angrapscht. Wäre er dann raus geworfen worden? Hätte man mich als Frau ernst genommen? Dem Typen hätte das bestimmt keinen Spaß gemacht und es wäre sicherlich für ihn ein negatives Erlebnis gewesen, sodass er das nächste Mal wartet bis eine Frau ihm die Erlaubnis gibt sie anzufassen.

Niemand hat das Recht mich anzufassen, es sein denn ICH erlaube es.

Das gleiche gilt für diesen Typen, der mir unvermittelt einen Kuss auf die Wange gab und sofort wieder abgehauen ist. Ich rief ihm noch hinter her, dass das so nicht geht und wir uns doch gar nicht kennen. Mir kommt dieses Verhalten ziemlich hilflos vor. Immerhin habe ich meine Stimme erhoben. Aber niemand der um mich herum stand, half mir.

Aber niemand der um mich herum stand, half mir.

Ich war auf einem open air Konzert und wartete gerade, auf mein Handy blickend, auf einen Freund. Sollte ich gar nicht mehr auf’s Handy sehen dürfen, wenn ich gerade „allein“ bin? In einer Menschenmenge? Das kann es doch nicht sein! Ich wünschte jemand hätte mir in diesem Moment geholfen. Es ist nichts passiert, oder? Klar, und das habe ich mir auch eingeredet. Aber okay ist es trotzdem nicht.

Niemand hat das Recht mich zu küssen, es sei denn ICH erlaube es!

Was ist mit dem Typen im Schwimmbad? Ich habe gerade für die mega-schnelle Rutsche angestanden, als jemand an mir vorbei lief und mir in den Hintern kniff. Schon wieder. Ich werde richtig wütend. Wer zum Teufel hat dir das erlaubt? Meine Hände zittern, wenn ich das hier schreibe. Dabei ist ja nichts passiert, oder? Das habe ich mir zumindest eingeredet.

Niemand hat das Recht mich anzufassen, es sei denn ICH erlaube es!Click To Tweet

Mädchen und Frauen wird unglaubliches Leid zugefügt in dieser Welt

Und weil mich dieses Thema so sehr berührt, berührt mich ein anderes Thema noch viel mehr. Diesen Frauen und Mädchen ist wirklich etwas passiert. Nicht, dass ich den Sexismus gegenüber Frauen klein reden wollte. Ganz und gar nicht. Ich finde in dieser „Kultur“ nur nochmal verdeutlicht, dass Frauen herabwürdigend behandelt werden. Es ist sozusagen die traurige Steigerung, dessen was wir heute noch im Alltag uns gegenüber erleben. Dieses Leid wir vermutlich jeden Tag einem Mädchen auf der Welt zurgfügt:

Mädchen werden beschnitten.

Das hört sich nicht so schlimm an wie es ist. Diesen Mädchen werden die Schamlippen abgeschnitten und wieder zusammen genäht. Dies passiert ohne Narkose mit einem scharfen Gegenstand, der nicht mal sauber sein muss. Die Mädchen haben fortan Schmerzen beim Wasser lassen. Sie sind durch diese Gewalt an ihnen psychisch traumatisiert.
Der passendere Ausdruck ist:

Genitalverstümmelung.

Die Beschneidung soll dazu dienen, dass der zukünftige Mann dieser Frau sicher sein kann, dass sie noch Jungfrau ist. Ist das nicht traurig? Welche Kultur kann das gut heißen, Frauen für ihr Leben zu zeichnen? Körperlich wie psychisch?

Film: Wüstenblume

Das erste Mal bin ich mit diesem Thema in Berührung gekommen als ich vor einigen Jahren den Film „Wüstenblume“ gesehen habe. Der Film hat mich so berührt, dass ich viel geweint habe. Am Ende geht alles „gut“ aus. So gut wie es eben gehen kann. Waris Dirie hat eine Stiftung gegründet, um anderen Mädchen ihr schlimmes Schicksal – ist es ein Schicksal? – zu ersparen. Sie hat schon viele Mädchen davor gerettet beschnitten zu werden. Und nicht nur das, sie gibt ihnen echte Chancen auf dieser Welt; durch Bildung.

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Als ich das letzte Mal den Film sah, habe ich mich kurz entschlossen als Patin zur Verfügung gestellt. Ich habe nun ein Patenkind in Afrika. Ein Mädchen, dass etwas älter ist als meine Tochter. Sie wird nun nicht beschnitten werden. Ihre Familie bekommt Geld dafür, dass sie es nicht tun und ihre Tochter zudem in die Schule schicken. Jedes Jahr muss dieses Kind beim Kinderarzt untersucht werden, um festzustellen, ob sie noch unversehrt ist. Falls doch, würde die Familie nicht mehr unterstützt werden. Das Druckmittel Geld, scheint zu funktionieren. Waris Dirie konnte schon viele Mädchen retten: Mit der Hilfe von Menschen wie mir, die für ein Mädchen spenden und eine Patenschaft übernehmen.

Ich will mir Luft machen

Ich will dich nun gar nicht davon überzeugen, dass du auch spenden sollst. Das darf jeder für sich entscheiden. Es gibt so viele tolle Projekte, die man unterstützen kann.
Ich will mir hier vor allem Luft machen. Luft machen gegen sexuelle Übergriffe auf Frauen. Niemand gibt Männern, das Recht übergriffig zu werden. Ich habe in diesem Artikel die Männer, die sexuell übergriffig wurden an den Pranger gestellt. Es gibt auch Frauen, die das tun. Frauen, die übergriffig werden, vor allem Kindern gegenüber, da diese sich nicht so gut wehren können.

Gewalt und Übergriffe gegen andere Menschen, ob Frau, Mann oder Kind sind nicht in Ordnung.

Ich will gar nicht darüber nachsinnen, warum diese Menschen das tun. Im NLP gehen wir davon aus, dass jedem Verhalten eine positive Absicht zu Grunde liegt – für den Handelnden. Weiterhin hat jeder Mensch einen positiven Wert, auch wenn die Angemessenheit seines Verhaltens bezweifelt werden kann. Gewalt und Übergriffe gegen andere Menschen, ob Frau, Mann oder Kind sind nicht in Ordnung.
Diese Personen verspüren vielleicht ein Gefühl von Macht. Wer weiß? Macht ist nichts negatives. Nur wie wir mit unserer Macht umgehen, kann negativ sein.

Was können wir tun?

Was können wir also tun, um zu zeigen, dass wir dieses Verhalten nicht länger dulden? Ein Anfang ist es darüber zu sprechen und diese Übergriffe öffentlich zu machen. Der Fall Weinstein hat dazu geführt, dass mehr Menschen darauf aufmerksam werden, wie „normal“ sexuelle Belästigung gegenüber Frauen leider ist.

Ich appelliere…

  • Ich appelliere an alle Frauen: Lasst euch das nicht länger gefallen.
  • Ich appelliere an die Männer: Lasst euch das nicht länger gefallen.
  • Ich appelliere an die Täter*innen: Macht euch nicht länger schuldig.
  • Ich appelliere an alle Erwachsenen: Achtet die Grenzen eurer Kinder! Werdet nicht übergriffig: Nein, heißt nein. Auch, wenn es ums Zähneputzen und angeblich die Gesundheit geht.

Die Achtung der persönlichen Grenzen geht vor! Habt Respekt voreinander!


Schreib‘ mir doch wie es dir geht. Hast du schon einmal erlebt, dass jemand deine persönlichen Grenzen nicht geachtet hat? Was hast du getan? Und was wünscht du dir, welche Unterstützung könnte dir helfen?

Mehr zum Thema:

Mein Kind will nicht essen – Hier schreibe ich darüber, warum Kinder selbst entscheiden sollten wann sie was essen. Eben weil ihr Körper ihnen selbst gehört!

Wie wir Bedürfnisse von Kindern besser verstehen können.

10 Tipps, wie du dein Kind richtig falsch erziehst. – Nach der Tradition von Watzlawik…

DesMein Körper gehört mir - desert flower foundation - #metoo - sexismus - Sonja Martin Elterncoaching - Coachingert Flower Foundation, hier findest du auch genaue Erklärung dazu was die Genitalverstümmelung („Beschneidung“) eigentlich ist

 

 

Film: Wüstenblume, deutscher Trailer:

 

Artikel über Sexismus:

„Rate mal, was ich gerne mit dir machen würde!“, Zeit online

Was wir Männer tun können, um endlich zu verstehen, was Frauen im Alltag erleben, Edition F

Sexismus: Männer sind verunsichert? Gut so!, Edition F

Vater, Sohn, zuhören, eigene Stimme, Kinder haben Rechte

Kinder haben ihre eigene Stimme – Was wir von Janusz Korczak lernen können

Wir Eltern glauben manchmal, wir wüssten so einiges besser als unsere Kinder. Ich wurde zum Beispiel von meinen Eltern immer nochmal auf’s Klo geschickt bevor wir das Haus verließen. Ob ich musste war egal. Dabei ist jeder von uns Experte für seinen eigenen Körper. Wer könnte besser wissen ob ich auf’s Klo muss als ich?

Ok, das ist ein triviales Beispiel. Aber genau da fängt es an. Wir sprechen unseren Kindern ab, ihren eigenen Körper zu kennen! Wie sollen unsere Kinder dann zu selbständigen Erwachsenen werden?

Wer war Janusz Korczak?

Janusz Korczak (geborener Henryk Goldszmit) wurde um 1878 in Warschau geboren. Wobei „Janusz Korczak“ sein Künstername ist. Er war Kinderarzt, Kinderbuchautor und Pädagoge. Er leitete ab 1912 das Waisenhaus Dom Sierro und später das Waisenhaus Nasz Dom in Warschau. In diesen Waisenhäusern lebte er mit den Kindern zusammen nach den Rechten für Kinder. Wie ich finde, die Grundlage für unsere heutigen Kinderrechte.

Korczak sieht in Kindern vollständige Menschen

Ich fürchte, dass viele Erwachsene immer noch glauben, dass Kinder noch nicht fertig sind, dass wir Erwachsenen etwas in sie hinein füllen müssen. Dass Kinder unfähig sind, nichts wissen und bei jedem Schritt auf dieser Welt jemanden brauchen, der ihnen haarklein sagt, was sie zu tun haben. Ich denke nicht so. Ich war sehr erstaunt, dass Korczak gerade in der Nazi-Zeit ein Gedankengut trug, dass seiner Zeit schon weit voraus war.

Kinder sind kompetente Wesen

Korczak sah Kinder als selbständige Individuen an, als kompetente Wesen. Er sprach den Kindern das Recht auf Mitsprache zu, auf eigene Gedanken und Geheimnisse. Er betrachtete Kinder als vollständige Menschen, die eigene Gefühle haben dürfen und die ein Recht auf Kindachtsame Erwachsene haben.

Korczak forderte die Magna Charta Libertatis auch für Kinder. Ich finde, das hört sich ziemlich krass an. Auf den zweiten Blick jedoch macht es für mich total Sinn:

„Ich fordere die Magna Charta Libertatis, als ein Grundgesetz für das Kind. Vielleicht gibt es noch andere – aber diese drei Grundrechte habe ich herausgefunden:
Das Recht des Kindes auf seinen eigenen Tod
Das Recht des Kindes auf den heutigen Tag
Das Recht des Kindes, so zu sein, wie es ist.“

(Korczak, Janusz (2012): Wie man ein Kind lieben soll. Vandenhoek & Rprecht, Göttigen, S. 40)

Kinder haben das Recht auf den eigenen Tod

Mit dem Recht auf den eigenen Tod will Korczak sagen, dass Eltern durch ihre eigene Angst Kinder nicht in ihrer Entwicklung bremsen sollen. Dies im vollem Umfang zu denken, fällt uns Eltern natürlich schwer. Wer will schon an den Tod des eigenen Kindes denken. Es geht hier darum Kinder auch Risiken eingehen zu lassen. Die Kinder aus übertriebener Angst daran zu hindern, sich zu entfalten und ihre eigenen Grenzen zu entdecken halte ich jedoch nicht für richtig. Dies habe ich in meinem Artikel über Helikopter-Eltern bereits beschrieben.

Kinder haben das Recht auf den heutigen Tag

Kinder leben im Hier und Jetzt. Vor allem die ganz kleinen Kinder können uns dies wieder beibringen, wenn wir uns die Zeit nehmen sie zu beobachten. Je älter Kinder werden, desto eher nehmen sie die Zeit so war, wie wir Erwachsenen das tun. Noch im Teenageralter ist dieses Empfinden und die Fähigkeit Zeit und Zukunft zu planen nicht so ausgebildet wie bei Erwachsenen.

Korczak meint damit, dass wir den Kindern Zeit geben sollen, die nicht verplant ist. Zeit für das freie Spiel, indem Kinder sich ausprobieren können und ihren eigenen Interessen nachgehen können.

Kinder haben das Recht sie selbst zu sein

Jedes Kind hat das Recht darauf so zu sein wie es ist. Korczak möchte, dass Kinder in ihrer Individualität anerkannt werden und sich nicht nach den Erwartungen von Erwachsenen verbiegen sollen.

Ich denke, wir sollten uns wirklich frei machen unsere Kinder so kennen zu lernen wie sie sind.

  • Welche Fähigkeiten hat mein Kind?
  • Wo sind die Stärken, die ich weiter fördern kann?
  • Welche Interessen hat mein Kind?

Und eben nicht: Was sollte es noch lernen? Was kann es noch nicht? Wo sind seine Schwächen, die ausgebessert werden müssen.

Selbstständige mündige Menschen als Ziel

Das Ziel Korczaks Pädagogik ist ein Höchstmaß an Selbstständigkeit. Wenn ich mir die Zeit ansehe, in der er lebte, muss ich daran denken, dass viele Menschen nicht mehr selbständig gedacht haben, bzw. sich nicht mehr getraut haben. Seine Forderung nach der Selbständigkeit fördert eine Gesellschaft mit individuellen Persönlichkeiten, die sich selbst ein Bild von der Welt machen und ihre eigenen Entscheidungen treffen und nicht einer Ideologie hinter her rennen müssen, um sich zugehörig zu fühlen. Wir suchen uns unsere eigene Community, die unsere Werte lebt und nicht umgekehrt.

Heute ist das Ziel der pädagogischen Erziehung die Mündigkeit des Menschen anzustreben. Die Mündigkeit wird als hehres Ziel angesehen, die zu erreichen nur als richtungsweisender Stern angesehen werden kann. Die Mündigkeit kann eine Person nur selbst entwickeln. Wir Eltern und Erzieher*innen können, die Kinder und Jugendlichen auf ihrem Weg dort hin begleiten.

Janusz Korczak fordert von Kindern ein Höchstmaß an Selbstständigkeit

Janusz Korczak lehrt uns, dass es für Kinder immens wichtig ist selbstständig zu werden. Er führte ab 1912 ein Kinderheim, in dem er ein Kinderparlament, ein Kameradschaftsgericht, eine Kinderzeitung und eine Anschlagstafel für die Kinder etablierte.

  • Im Kinderparlament entschieden die Kinder selbst darüber, welche Regeln im Kinderheim gelten sollten.
  • Im Kameradschaftsgericht sorgten die Kinder dafür, dass diejenigen, die sich nicht an die Regeln hielten eine passende Strafe bekamen.
  • Die Kinderzeitung wurde ausschließlich von Kindern und Jugendlichen geschrieben und erschien als Beilage in der jüdischen Tageszeitung
  • <span“>Die Kinder waren selbst dafür verantwortlich sich an der Anschlagtafel im Kinderheim über Neuigkeiten zu informieren, die sie selbst betrafen.

Wie können Eltern Korczaks Ansätze umsetzen?

Für uns Eltern möchte ich mitnehmen, dass Korczak Kinder als selbständige, kompetente Wesen ansieht. Kinder können Entscheidungen treffen, die ihren eigenen Körper anbelangen. Von Anfang an wissen Kinder, ob sie Hunger haben, ob sie müde sind, ob sie Sauberkeit oder ob sie Nähe brauchen. Wir Erwachsenen müssen lernen die Signale unserer Kinder zu lesen und achtsam darauf einzugehen.

Da schon Babys wissen wann sie Hunger haben, stillen wir heute nach Bedarf. Nach Bedarf Stillen heißt, sich dem Rhythmus und dem Bedürfnis des Kindes anzupassen und nicht nach der Uhr zu stillen, wie es früher gemacht wurde. Mit dem Bedürfnis nach Schlaf können wir ebenso verfahren. Ich habe meine Tochter immer schlafen gelassen und habe sie nie geweckt, wenn ich konnte. Seit sie in den Kindergarten geht sind diese Zeiten vorbei. Und trotzdem lasse ich auch heute noch schlafen, wenn sie müde ist. Erst gestern saßen wir 2 Stunden im Café, meine Tochter auf meinem Schoss, schlafend.

Kinder können von Geburt an selbst bestimmen und sich äußern, wenn sie:

  • Hunger haben
  • satt sind
  • Schlafen wollen
  • sauber gemacht werden wollen
  • Nähe und Zuwendung brauchen

Je älter Kinder werden, desto mehr Verantwortung können sie übernehmen. Kleine Kinder entscheiden Dinge die ihren eigenen Körper betreffen selbst. Sie können selbst entscheiden was sie anziehen. Die Sachen passen vielleicht nicht zusammen und sind auch für das Wetter völlig unpassend. Trotzdem lasse ich meine Tochter tragen was sie möchte. Es ist ihre Entscheidung. Ich packe ihr entsprechend dem Wetter weitere Anziehsachen ein, damit sie die warme Jacke griffbereit hat, falls ihr doch kalt wird.

Kleinkinder können entscheiden…

  • was sie anziehen wollen
  • wann sie „trocken“ werden wollen
  • wann sie zur Toilette gehen wollen
  • wann sie schlafen möchten
  • was sie essen oder trinken wollen
  • was sie spielen wollen
  • bei wem sie auf den Arm wollen
  • wer sie küssen darf

Wenn Kinder ihr eigenes Zimmer haben, dann ist das ihr Zimmer. Die Grenze des Kindes ist nun nicht mehr nur der eigene Körper, sondern das eigene Zimmer, der eigene Schreibtisch. Kindern fordern diese Räume ein und wir sollten ihnen diese geben. Auch wenn es nur kleine Räume sind, wie die Höhle unter dem Esstisch. In diesem eigenen Raum darf das Kind schalten und walten wie es will. Es darf nicht lüften und Unordnung haben. Die Autonomie des Kindes und damit die Selbstständigkeit des Kindes ist für mich ein höherer Wert als Ordnung. Mein Bedürfnis nach Ordnung und Sauberkeit stelle ich dabei zurück.

Ältere Kinder entscheiden über ihren eigenen Raum.

Auch bei der Freizeitgestaltung können Kinder mitsprechen. Kinder haben zu vielen Dingen eine Meinung. Wenn meine Tochter sich nicht einbringen will, ist dies auch ihre Entscheidung. Dann entscheide ich selbst. Am Wochenende fahren wir ins Schokoladenmuseum. Ich will raus und meine Tochter hat das Schokoladenmuseum vorgeschlagen.

Welches Hobby möchte mein Kind haben. Ich wähle das Hobby meines Kindes nicht danach aus was sie meiner Meinung nach machen sollte. Ich gucke mir an was sie gut kann. Sie hat eine hohe Fähigkeit ihren Körper zu beherrschen. Sie ist sehr geschickt im Gleichgewicht halten, im Bewegen an sich. Ich gab meiner Tochter Anregungen was es für Möglichkeiten gibt, etwas aus diesen Fähigkeiten zu machen. Nach 3 Wochen Turnen sagte sie, dass sie da nicht mehr hin will. Nun ist sie schon 3 Monate beim Ballett. Ich bin gespannt wie lange sie dieses Hobby begleiten wird. Wie lange sie Spaß daran hat und wann und ob sie etwas Neues anfängt. Nächstes Jahr geht sie in die Grundschule und wird dort viele neue Eindrücke sammeln und ihre Welt wird immer ein Stück größer.

Es ist einfach toll sie dabei zu begleiten, wie sie ihre eigenen Entdeckungen macht.

Kinder entscheiden, wie sie ihre Freizeit verbringen möchten.

Gib‘ deinem Kind seine Stimme zurück

Ich schätze die meisten von uns wurden anders erzogen, als wir uns das heute für unsere eigenen Kinder wünschen. Ich unterstütze jede Mutter und jeden Vater, die sagen, dass sie ihre Kinder anders erziehen wollen. Die Frage ist nur: Wie anders?

Ich lade dich ein, deinem Kind seine Stimme zurück zu geben. Hör genau zu, was dein Kind tun möchte.

  • Welche Entscheidung betrifft den Körper meines Kindes?
  • Welche Entscheidung betrifft seinen eigenen Raum?
  • Welches sind hier vielleicht meine Bedürfnisse und wo kann ich loslassen und meinem Kind seine eigene Entscheidung lassen?

Schreib mir doch gerne unter coaching@sonja-martin.com oder hier direkt als Kommentar, wo es dir noch schwer fällt deinem Kind seine eigene Entscheidung treffen zu lassen, es mitbestimmen zu lassen, wo es dir schwer fällt diese Macht abzugeben. Schreib‘ mir auch, wenn du es schon immer so gemacht hast oder wenn du es geschafft hast deinem Kind seine Stimme zu lassen.

 

Zum Weiterlesen:

Wie wir Bedürfnisse von Kindern besser verstehen können.

Janusz Korczak

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Wie du mehr Stille im Alltag leben kannst

Mehr Stille im Alltag finden. Das wünsche ich mir. 10 Tage war ich mit meiner Tochter an der Nordsee. Wie viel Stille es dort trotz Touristen und Aktivitäten gab, fiel mir erst auf, als ich wieder zurück bei mir zu Hause war. Hier ist es laut. Bonn ist laut. Die Straße an der ich wohne ist laut. Und trotzdem: Ich will mehr Stille in mein Leben lassen.

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