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Warum sich manche Eltern nicht durchsetzen können #10minblog

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Komisches Thema für einen bedürfnisorientierten Blog, oder? Ich habe in der letzten Woche mehrmals Eltern beobachtet, die sich nicht durchsetzen können.

Da war eine Mutter, die ihren Sohn ausnahmsweise zur 3. Stunde in die Schule brachte und dafür mehrere Anläufe brauchte, bis er willens war zu bleiben. Und der Vater, der seine Tochter abholen wollte und diese viel lieber weiter spielen. Das Mädchen maulte solange bis ihr Vater schon mal den Schulranzen für sie holte.

Ich denke Kinder brauchen es, wenn wir die Führung übernehmen. In bestimmten Situationen sollte nicht das Kind entscheiden dürfen, bzw. müssen. Denn wenn wir Eltern nicht die Führung übernehmen und das Kind entscheiden lassen, dann trägt es eine Verantwortung, die es nicht tragen sollte.

Wir können das Feld auch systemisch betrachten. Die Kinder sind die Kleinen und in der systemischen Hierachie unter den Eltern. Da gehören sie hin und da fühlen sie sich wohl. Daher ist es wichtig, dass jeder im System seine Rolle ausfüllt. Die Eltern als die Anführer*innen und die Kinder als diejenigen, die folgen.

Welches Bedürfnis steckt dahinter, wenn Eltern sich nicht durchsetzen können oder wollen? Ich vermute, dass diese Eltern, wie wir alle, gute Eltern sein wollen. Sie sprechen immer freundlich mit ihren Kindern und schimpfen nicht, oder werden gar wütend. Sie möchten die besten Freund*innen ihrer Kinder sein. Das Bedürfnis nach Harmonie könnte dahinter stecken.

Man würde diesen Erziehungsstil auch als laissez-faire beschreiben. Ich finde jedoch, dass ein Erziehungsstil auch das Bedürfnis der Kinder nach geführt-werden und dahinter liegend Sicherheit erfüllen sollte.

Kinder brauchen das Gefühl von Sicherheit, um sich positiv entwickeln zu können. Wenn wir Eltern unsere Rolle als „Führungspersonen“ ausfüllen, dann vermitteln wir den Kindern: „Ich weiß wo es lang geht. Ich kenne den Weg und ich werde dich sicher führen und begleiten.“

Im obigen Beispiel hätte die Mutter sich authentisch mit ihrem Gefühl zeigen können. Vielleicht war sie ab einem bestimmten Punkt wütend und wollte dies ihrem Sohn nicht zeigen, der sich dagegen sträubte in der Schule zu bleiben.

Wenn sie ihre Wut nicht zeigt, wird auch ihr Kind in ihr kein Vorbild finden, wie er mit Wut konstruktiv umgehen kann. Zum Beispiel indem man sein Bedürfnis klar formuliert.

Dies sollte auch in der Stimme hörbar sein. Wir können nicht immer nur freundlich zu Kindern sprechen. Wären wir damit authentisch? Wären wir ein Vorbild für unsere Kinder, wie wir mit Emotionen umgehen? Eher nicht.

Ich denke, wir sollten uns stets so zeigen, wie wir uns fühlen. Wir sollten wir selbst sein, und unseren Kindern zeigen und sagen, welche Bedürfnissse wir haben. Und manchmal ist es das Bedürfnis zu führen und klar zu sagen: „Ich möchte, dass du jetzt mitkommst. Wir gehen nach Hause.“

 

Wie stehst du zum Thema Eltern-sein als Führungsrolle? Hast du manchmal Schwierigkeiten dich deinem Kind gegenüber durchzusetzten? Schreib mir eine E-Mail:

Email an Sonja

 

2 Kommentare

  1. Hallo Sonja,
    das sehe ich ganz ähnlich, wie Du: Kinder brauchen eine starke Hand mit Herz. Sie wollen auch verstehen, wie wir denken und fragen uns ja denn auch Löcher in den Bauch. Wenn Kinder verstehen, wie wir denken, lernen sie von uns die Welt zu verstehen.

    Ich sehe das auch gelegentlich, dass Kinder verzweifelt bei ihren Bezugspersonen nach Grenzen suchen, aber keine finden, da die Eltern sie einfach gewähren lassen. Das macht die Eltern unglaublich müde. Müdigkeit ist aber auch ein generelles Problem.

    Wenn ich als Mama oder Papa müde bin, reagiere ich gereizter auf Nachfragen oder „ungehorsam“. Ausserdem unternehme ich auch nicht so viel mit den Kindern, wie ich gerne würde, wenn ich zu müde bin.

    Und das ist dann auch schon mein zweiter Punkt, den ich oft bei Eltern feststelle: sie haben einfach zu wenig Zeit für ihre Kinder. Am Wochenende noch Einkauf und Steuererklärung und das Kind soll sich irgendwie beschäftigen…
    Selbst wenn das alles super organisiert ist: wie soll das Kind mich dann als Autorität erleben, wenn ich selten voll und ganz „da“ bin.

    Neulich habe ich meine eigenen beiden Kinder (7 u. 9 J.) einen Kreis auf ein Papier malen lassen und sie gebeten den Kreis in Kuchenstücke zu unterteilen und dann zu überlegen, was sie den ganzen Tag so machen und die Größe der Tortenstücke entsprechend anzupassen. Daneben dann einen Kreis, wie sie es gerne hätten. Heraus kam: die Hälfte des Kreises sollte „Urlaub“ sein, also einfach Zeit zusammen als Familie…
    Die Realität sieht bei uns natürlich auch anders aus, obwohl wir durchaus auf so manches Verzichten, um den Kindern eine gute Zeit zu ermöglichen.

    • Sonja sagt

      Hallo Didier,
      da hast du Recht. Das ist nochmal ein eigenes Thema! Zeit! Und ich merke es auch selbst. Nach einem Arbeitstag Kind von der OGS abholen und dann nach Hause. Da bleibt nicht mehr viel Zeit bis es Abendessen gibt. Wir Eltern wollen und müssen unser Leben jedoch finanzieren und daher ist es oft nicht anders möglich. Ich finde wir sollten versuchen alle Bedürfnisse im Blick zu haben. Auch die eigenen. Denn, wenn ich mir die Zeit gönne für meinen Kaffee auf dem Sofa und danach mir danach ganz bewusst Zeit für mein Kind nehme, dann haben alle mehr davon. Als wenn ich lustlos ein Spiel mitspiele oder das Kind sich komplett alleine beschäftigen lasse, weil ich mir die Zeit für mich auch nicht wirklich gegönnt habe. Denn es gibt ja noch so viele andere Dinge zu tun… Haben wir darüber nicht schonmal geschrieben? Ich habe gerade ein Déjà-vu…

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