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Warum wir Kindern nicht helfen, sondern sie unterstüzten sollten

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Du magst denken: Das ist doch dasselbe. Nein, ist es nicht. Wenn wir helfen, dann übernehmen wir die Aufgabe eines anderen Menschen. Wenn wir unterstützen, dann bleibt es die Aufgabe des Anderen.

Ein Beispiel: Ein Kind möchte einen Stein hochkletter. Es ist vielleicht 1,5 Jahre alt. Was es für seine Entwicklung braucht ist offensichtlich: Diesen Stein hochklettern. Gleich stehen die Eltern parat und helfen dem Kind den Stein hochzuklettern. Das Kind konnte die Erfahrung den Stein hochzuklettern nicht machen. Die Eltern hatten ja geholfen.

Unterstützung wäre gewesen, wenn die Eltern schützend die Hand unter das Kind gehalten hätten, sodass sie da sind, wenn es fallen würde. Oder sie beobachten das Kind und lassen es tun. Wenn es fällt sind sie da, um zu trösten. Kinder laufen und fallen hin, sie klettern und fallen hin. Das gehört zu ihrer Entwicklung dazu.

Warum ist die Unterscheidung so wichtig?

Die Unterscheidung zwischen Unterstützen und Helfen ist wichtig, weil es Auswirkungen auf das Leben eines Kindes hat, ob es seine Aufgaben selbst bewältigt und sich als selbstwirksam erlebt, oder ob ihm geholfen wurde, und es sich nicht allein als fähig ansehen kann.

Ich zum Beispiel merke, dass ich heute als Erwachsene Schwierigkeiten beim Schreiben habe. Ich finde meine eigenen Texte nicht gut. Wenn ich einen Text veröffentlichen will, denke ich: Der ist zwar nicht gut, aber ich drücke trotzdem auf “veröffentlichen”.

Wo kommt das wohl her?

Ich erinnere mich daran, dass ich als Kind sehr unsicher war, ob das was ich für die Schule getan habe gut genug war. Meinem Vater war Leistung sehr wichtig.

Einmal sollte ich als Hausaufgabe einen Aufsatz schreiben. Das war bereits auf dem Gymnasium. Ich fragte meinen Vater um Rat, da ich mir unsicher war, was ich schreiben sollte.

Und was tat er?

Er schrieb den Aufsatz für mich.

Am nächsten Tag in der Schule las ich den Aufsatz vor. Er war nicht von mir. Und er war gut. Das Feedback, das ich bekam war nicht für mich, sondern für meinen Vater. Ich fühlte mich mies.

Ich denke, dass ich mich heute ebenso fühle, wenn ich Texte für meinen Blog veröffentliche. Es sind meine Texte und ich kann nicht jeden Tag fragen: “Papa, ist das okay so?”

Was ich mir von meinem Vater damals gewünscht hätte?

Ich hätte mir Unterstützung gewünscht. Er hätte mich fragen können, an welches Thema ich gedacht habe. Er hätte mich ermutigen können irgendetwas zu schreiben. Er hätte sagen können, dass er an mich glaubt. Dass er glaubt, dass ich schon einen Text schreiben werden. Es war meine Aufgabe als Schülerin. Er hätte sogar sagen können, dass es nicht schlimm ist, wenn ich am nächsten Tag keinen Text abliefere und dass ich mit meinem Lehrer darüber reden kann.

Aber nein: Er hat sich entschieden mir zu helfen. Mit seiner besten Absicht, sicherlich. Das will ich ihm gar nicht absprechen.

Danke, Papa, an dieser Stelle. Du hast immer dein Bestes getan. Und es gibt heute als Erwachsene immer noch Aufgaben für mich, die sich aus den Erlebnissen als Kind für mich ergeben.

Geh deinen eigenen Weg als Elternteil

Wir können unseren Kindern etwas anderes mit auf den Weg geben, als wir es erfahren haben, wenn wir uns diese Dinge bewusst machen.

Kinder können sich nur entwickeln, wenn sie ihre Entwicklungsaufgaben selbst bewältigen. Das kann ihnen keiner abnehmen.

Daher möchte ich an dich als Elternteil appellieren, dein Kind zu unterstützen und ihm nicht zu helfen.

 

 

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