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Medien und Kinder – Was du darüber wissen solltest

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Unsere Kinder wachsen mit den sogenannten „neuen Medien“ auf. Früher gab es Bilderbücher, Hörspiele und das Sandmännchen. Heute gibt es von Smartphone über Internet und Spielekonsolen eine Vielzahl an neuen Medien. Wie sollen Kinder mit Medien umgehen? Welche Rolle kommt uns Erwachsenen zu und wieviel und wie lange sollten sich Kinder mit Medien beschäftigen?

Besonders der letzte Punkt ist nach meinem Empfinden hart umstritten. Ich habe lange gezögert diesen Artikel zu schreiben, weil ich einen etwas anderen Weg gewählt habe. Mit dem ich heute sehr zufrieden bin. Ich bin auf deinen Kommentar gespannt! Aber erstmal zu den Grundlagen.

Was wir über Medien wissen sollten

In der Medienpädagogik unterscheidet man verschiede Kompetenzen, die Kinder im Umgang mit Medien lernen sollen. Medienkritik, Mediennutzung, Medienkunde und Mediengestaltung.

Medienkritik meint, dass sich Kinder kritisch mit den aufgenommen Inhalten aus Medien beschäftigen können sollten. Das fängt dabei an, das man das Kind fragen kann, wie es das Verhalten von Figuren in Bilderbüchern findet. Wenn ich ein Buch vorlese, frage ich meine Tochter oft, wie sie das findet. Oder gebe meinen eigenen Senf dazu. Manchmal gehen Kinderbücher ja gar nicht. In einem Kinderbuch waren die Frauen nur mit Zahlen benannt. Die hatten keine Namen. Was sollen Kinder daraus lernen? Ich habe meine Bedenken der Autorin mitgeteilt, und meiner Tochter. Mehr kann ich nicht tun.

Mediennutzung meint, dass Kinder lernen sollen wie man Medien verwendet. Dass man bei einem Bilderbuch die Seiten umblättern muss, wird in manchen Zunkunftvisionen karikiert. Das müssen kleine Kinder lernen und ich hoffe, dass es in Zunkunft auf zum Standart dazu gehören wird. Wann Kinder lernen sollen mit dem Smartphone der Eltern umzugehen oder mit einem PC ist eine andere Frage, die jeder für sich selbst beantworten muss. Kinder wachsen mit diesen Medien selbstverständlich auf und lernen teilweise schon sehr früh, wie man neue Medien bedient.

Medienkunde ist das Wissen darüber welche Medien es gibt. Kennen deine Kinder Kassetten? Wir hatten lange gar keinen Kassettenrekorder und wir haben auch nur eine Kassette, die uralt ist und nicht wirklich gut läuft. Letztens habe ich Disketten auf ebay-Kleinanzeigen gesehen. Ein längst veraltetes Medium, dass unsere Kinder sicher selten sehen werden. Dahingegen gibt es neue Medien mit denen wir uns vertraut machen können, um mit unseren Kindern zusammen die neue mediale Welt zu erkunden. Es gibt z.B. tolle Tools um in Gruppen online zusammen zu arbeiten.

Mediengestaltung finde ich besonders wichtig. Unsere Kinder sollen meiner Meinung nach nicht nur Konsumenten sein, sondern auch Produzenten. Sie sollen sich kreativ ausdrücken und mitteilen können. Medien sind im Grunde ein Kommunikationsmittel. Ich kann Informationen aufnehmen, aber ich kann sie auch produzieren und in die Welt hinaus versenden.

Es ist wichtig Medien selbst zu gestalten

Nach der Wissenskluft-Hypothese spaltet sich eine Gesellschaft durch das Aufkommen von Massenmedien stärker als ohne diese. Der bildungsstarke Teil der Gesellschaft nimmt schnell Informationen auf und weiß Medien auch für sich zu nutzen und selbst Informationen zu verbreiten, also Medieninhalte selbst zu gestalten. Der bildungsschwache Teil der Gesellschaft lernt nicht Medien für sich selbst zu nutzen, sondern kann nur einen Teil der Medien konsumieren.

Ich finde, das macht deutlich welche Bedeutung Medien für unsere Welt haben. Um viele Chancen und Möglichekeiten in unserer Welt zu haben, ist es wichtig Medien nutzen zu können. Sicher auch die kritisch betrachten zu können, um beispielsweise zu verstehen, wie Werbung funktioniert, oder dass die Modells auf den Plakaten nicht echt, sondern gephotoshopped sind.

Daher können wir Kinder ermutigen selbst die Medien herzustellen, die sie gerne konsumieren. Kinder haben großen Spaß daran, selbst etwas herzustellen. Zum Beispiel kann man mit Kindergartenkindern selbst ein Bilderbuch herstellen. Mit älteren Kindern kann man selbst Filme produzieren, oder YouTube-Stars nachahmen.

Es kommt immer darauf an, wofür sich das Kind interessiert. Mal in den Raum zu werfen, ob man nicht ein eigenes Buch oder einen eigenen Film machen möchte, ist Hinweis genug. Entweder geht das Kind darauf ein oder eben nicht.

Bei „Medien“ denken wir Eltern direkt an zu viele Medien

Medien sind böse, oder? Wenn wir Erwachsenen uns Gedanken darüber machen, wie oft und wie viele und welche Medien Kinder in welchem Alter nutzen sollten schwingt dort vor allem eines mit: Angst.

Diese Angst hatte ich auch. Ich habe mich gefragt, wielange sollte ich mein Kind fersehen lassen. Was ist ok? Was schadet?

Diese Frage wurde noch kniffliger als ich mich mit der Tatsache abfinden musste, dass ich meine Tochter nur noch die Hälfte der Woche sehe und nur noch in der Hälfte der Woche für ihre Erziehung zuständig bin. Wir leben im Wechselmodell. Das hat, wie alles, seine Vor- und Nachteile.

Kinder können ihren Medienkonsum selbst regulieren

Und doch hat mich das Wechselmodell zu einem ganz anderen Modell gebracht: Zur Selbstregulation. Meine einzige Chance, dass meine Tochter Medien irgendwann in einem Maße konsuiert, dass ich für in Ordnung befinde war, dass sie selbst lernt sich zu regulieren. Denn damals hatte ich eher mitbekommen, dass ihr Vater das Medienverhalten für meine Begriffe zu lasch regulierte.

Ich wollte jetzt weg von der Regulation. Bevor ich diesen Schritte wagste, habe ich Rat gesucht und gefunden: Im Internet. Eine Bloggerin hat ein für völlig logisches Verhältnis zur Mediennutzung ihrer Kinder: Die Selbstregulation. Aida von Elternmorphose.de argumentiert aus der Perspektive der Suchtproblematik.

Das heißt tatsächlich, dass die Kinder komplett selbst darüber entscheiden, wieviele und welche Medien sie konsumieren. Wenn der Medienkonsum zuerst reglementiert war, kann es jedoch lange dauern bis sich die Selbstregulation einstellt. Das ist für Eltern wie mich eine harte Zeit.

Mittlerweile leben wir schon lange die Selbstregulation. Meine Tochter entscheidet, wenn sie bei mir ist komplett selbst wie sie ihre Freizeit nutzen möchte. Sie guckt oft YouTube. Ich gucke oft mit und kommentiere das gesehene. Hinterfrage es kritisch. Ich frage meine Tochter oft, wie sie das findet, was da zu sehen ist oder ob sie das für richtig hält. Beim Vorlesen tue ich das auch. Damit möchte ihre Medienkritik fördern.

Ich denke es ist wichtig Kinder beim Konsum von Medien nicht alleine zu lassen. Wir sollten wissen in welchen Medienwelten unsere Kinder gerade stecken. Dadurch, dass ich meine Meinung zu dem Gesehenen äußere, guckt meine Tochter Serien wie Sponge Bob nicht, weil ich die absolut schrecklich finde.

Eltern müssen ihre Kinder beim Umgang mit Medien begleiten

Eltern haben einen großen Einfluß auf das Medienverhalten der Kinder. Ich lasse mein Kind selbst über das Medium entscheiden mit dem es sich gerade beschäftigt. Im Grunde ist es auch nicht nachvollziehbar, warum die neuen Medien gefährlicher sein sollen als alte. Warum sollte Lesen besser sein, als einen Film anzusehen? Die Phantasie, wird beim Lesen angeblich besser angeregt. Könnte sein.

Kinder brauchen Autonomie und Selbstbestimmung

Der Wert, der für mich ganz oben steht ist Autonomie und Selbstbestimmung. Daher soll meine Tochter selbst eintscheiden, was sie sich ansieht und wie lange. Ich frage sie manchmal, ob ihr das nicht zu gruselig ist, oder ob sie nicht etwas anderes machen will, da der Nachmittag endlich ist und ansonsten wenig Zeit für anderes bleibt.

Wenn ich sie beobachte, kann ich nicht feststellen, dass sie sich zu wenig bewegen würde, oder dass sie sich zu wenig mit ihren anderen Interessen beschäftigt. Sie entwickelt sich motorisch, kognitiv und sozial weiter. Und ihr Medienkonsum scheint keine negativen Auswirkungen auf ihre Entwicklung zu haben. Ich beobachte sie eher positiv. Sie hält sich an die Absprachen, die wir treffen. Ich denke: das liegt vor allem daran, dass sie durch das Konzept der Selbstregulation so wenige Einschränkungen in ihrem Leben erfährt, dass sie die Regeln, die ich aufstelle auch befolgt.

 

Wie denkst du über Medien und Kinder? Bist du eher kritisch oder führst du deine Kinder früh an verschiedene Medien heran? Schreib mir gerne einen Kommentar!

 

2 Kommentare

  1. Liebe Sonja,
    Danke für diesen interessanten Artikel. Die Hintergründe am Anfang finde ich sehr toll!
    Bei uns Zuhause ist die Zeit, also die Menge vorgegeben und da wir mehr als ein Kind haben teils auch die Uhrzeit. Irgendwie wollen da mehr Leute das Tablet nutzen, daher brauchen wir mehr verlässliche Absprachen. Ist vielleicht auch ein Unterschied von einem – mehreren Kindern und der Anzahl Tablets?
    Einen für mich wichtigen Punkt hast du in deinem Text auch erwähnt: das Begleiten der Eltern und die gemeinsame Reflexion darüber, was da gesehen/gehört/gelesen wird. Das ist wichtig: lernen am Vorbild, mit sozialer Komponente, Einüben von Reflexion… und teils halt zeitaufwändig. Ein Teil der Regulation liegt für mich auch da drin.
    Also Kinder nicht vor irgendwas parken (und damit mein Ruhe haben), sondern begleiten.
    herzlich, Vera

    • Sonja sagt

      Liebe Vera,
      danke für deinen Kommentar. Ja, das Begleiten der Kinder ist total wichtig. Dem Fernsehen haftet vermutlich auch ein schlechter Ruf an, weil Kinder dort „geparkt“ werden.
      Ich bin gespannt was aus den neuen Medien in Zukunft noch so wird und in welcher Welt unsere Kinder leben, wenn sie erwachsen sind.
      Liebe Grüße!

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