Allgemein, Beziehung zu deinem Kind, NLP
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Warum dich deine Kinder so aufregen? Antworten der gewaltfreien Kommunikation.

Kennst du das auch? Manchmal ärgerst du dich über deine Kinder. Sie rebellieren. Sie wollen nicht aufräumen. Sie wollen nicht ins Bett. Sie wollen sich nicht, ja praktisch nie, die Zähne putzen. Sie wollen nicht nach Hause. Sie wollen nicht aus dem Haus gehen. Sie wollen nicht essen. Diese Liste lässt sich, wie so oft, beliebig erweitern. Und: du regst dich auf! Du bist wütend! Und weißt nicht was du tun kannst, um etwas daran zu ändern!

In diesem Artikel gehe ich darauf ein, was uns die gewaltfreie Kommunikation über Gefühle und Bedürfnisse lehrt. Ich schreibe über die Verantwortung, die du selbst für deine Gefühle übernehmen musst. Niemand sonst kann etwas an deinen Gefühlen ändern, niemand sonst ist für sie verantwortlich, außer dir!
Wenn du keine Verantwortung für deine Gefühle übernehmen willst, wenn du lieber weiterhin deine Kinder, deine Kollegen, deine Frau oder deinen Mann für deine Gefühle verantwortlich machen willst, dann ist dieser Artikel nicht für dich.

Wie Gefühle entstehen

Gefühle entstehen in uns. Das Verhalten der Kinder mag zwar der Auslöser für dein Gefühl sein, aber es ist nicht die Ursache. Die Ursache für ein Gefühl in dir ist ein unbefriedigtes Bedürfnis von dir.

Aus der Neurobiologie wissen wir, dass Gefühle im limbischen System erzeugt werden. Unser Gehirn ist es also, dass die Gefühle produziert. Wir sind unseren Gefühlen aber nicht hilflos ausgeliefert. Da unser Gehirn sie erzeugt, können wir sie auch mit unserem Gehirn verändern. Das geht, indem wir zum Beispiel unsere Haltung ändern.

Übernehme die Verantwortung für deine Gefühle

Ich weiß, dass diese Art zu denken ganz anders ist als du es vermutlich gewohnt bist. Kein Wunder, wo doch viele von uns als Kinder selbst gehört haben: „Mama ist traurig, wenn du nicht deinen Teller leer isst. Einen Löffel für Mama, einen für Papa,…“

Viele meinen der Chef, der Partner oder die Kinder seien verantwortlich dafür, dass wir uns so schlecht fühlen. Es wird Zeit, dass wir die Verantwortung für unsere Gefühle selbst übernehmen! Und seien wir mal ehrlich: Nur dann können wir etwas daran ändern, wie wir uns fühlen. Die anderen können wir nicht ändern. Wir können nur uns selbst ändern.

Wir haben Bedürfnisse

Gefühle geben einen Hinweise darauf, dass wir ein unerfülltes Bedürfnis haben. Sie machen uns darauf aufmerksam, dass ein Bedürfnis nicht erfüllt ist oder, wenn wir uns gut fühlen, dass gerade alle Bedürfnisse erfüllt sind.

Du kannst dich jederzeit fragen: “Was brauche ich jetzt gerade?” Mit dieser Frage schaust du auf die Ebene der Bedürfnisse. Damit übernimmst du schon Verantwortung für deine Gefühle. Du erkennst, dass du dich selbst um deine Gefühle und um deine Bedürfnisse kümmern musst, wenn du nicht deine Kinder für deine Gefühle verantwortlich machen willst.

Kümmere dich um deine Bedürfnisse

Wenn du weißt was du brauchst, dann überlege wie du dir dein Bedürfnis erfüllen kannst. Du bist erwachsen. Du kannst deine Bedürfnisse selbst erfüllen. Wie du andere darum bittest, dir dabei zu helfen, werde ich demnächst erklären. Heute geht es nur um dich!

4 Grundgefühle

Ich will in diesem Artikel einen vereinfachten Ansatz darstellen. Ich betrachte hier nur 4 Gefühle. Nach Goleman gibt es 4 Grundgefühle:

1 Wut

2 Angst

3 Trauer

4 Freude

Wenn du zuerst nur diese 4 Gefühle betrachtest, wird es einfacher sich an die komplexe Gefühlswelt heranzutasten.

Damit du verstehst welche Bedürfnisse hinter deinen Gefühlen stecken, kannst du die 5 Schritte der gewaltfreien Kommunikation gehen. So schaust du zuerst auf dich selbst und darauf was du brauchst. Wetten du kommst mit dieser Technik zu ganz anderen Lösungen als sie dir jetzt gerade im Kopf herumspuken?

5 Schritte für die gewaltfreie Kommunikation

Um die gewaltfreie Kommunikation zu üben kannst du dir am Anfang ein Notizbuch nehmen und alles aufschreiben. So hast du Zeit zu überlegen und in Ruhe deine Gedanken zu sortieren.

1 Die Wolfsshow

Hier darfst du völlig unreflektiert deinen Gedanken freien Lauf lassen. Dabei ist es wichtig, dass du dir alles erlaubst. Da du deine Gedanken für dich aufschreibst und sie am Ende niemandem zeigst, kannst du ruhig alle Beleidigungen und Bewertungen raushauen. Danach ist dein Kopf frei, um deine Gedanken und Gefühle zu sortieren und am Ende eine passende Lösung zu finden.

2 Beobachtung

Was ist wirklich passiert? Was sind die Fakten? Schreibe sachlich auf, was tatsächlich passiert ist. Hier gehören keine Gefühle und Bewertungen hin. Wenn Dir dennoch welche einfallen, dann gehe noch einmal zurück zur “Wolfsshow”.

3 Gefühl

Ich schlage vor, dass du dich anfangs dafür entscheidest deine Gefühle den vier Grundgefühle zuzuordnen: Wut, Angst, Trauer oder Freude. Wenn du deine Gefühle differenzierter ausdrücken willst, kannst du das natürlich tun.

4 Bedürfnis

Anfangs kann es ziemlich knifflig sein, das Bedürfnis hinter dem Gefühl zu erkennen. In den Beispielen nenne ich ein paar häufige Bedürfnisse.

5 dein nächster Schritt

Jetzt erst ist es Zeit zu überlegen, was du tun kannst, um das Problem zu lösen. Es geht darum, dass du Dir selbst Dein Bedürfnis erfüllst. Du kannst auch jemanden darum bitten Dir dabei zu helfen. Die gewaltfreie Kommunikation lehrt uns wie wir Bitten wertschätzend formulieren. Denke immer wieder daran, dass du nur Bitten formulierst. Du kannst nicht erwarten, dass deine Bitten und Wünsche erfüllt werden.

4 Beispiele

Diese Beispiele sind natürlich keine Patentrezepte. Jeder von uns ist anders und hat andere Erfahrungen gemacht. Jedes Kind ist anders. Deshalb will ich im Coaching auch sehr individuell auf jeden Coachee eingehen. Hier im Blog empfehle ich, womit ich gute Erfahrungen gemacht habe. Was Dir hilft, musst du selbst herausfinden.

Ich will dir anhand von 4 Beispielen zeigen welche Bedürfnisse hinter den Gefühlen stehen können. Die Beispiele habe ich nach den 4 Grundemotionen ausgewählt: Wut, Angst, Trauer und Freude

1 Wut

Wolfshow: Manno, jetzt liegt hier überall Spielzeug rum. Kann sie nicht einmal aufräumen? Immer muss ich ihr hinter ihr her räumen!

Beobachtung: Meine Tochter hat nach dem Spielen nicht aufgeräumt.

Gefühl: Wut.

Bedürfnis: Ordnung und Sauberkeit, Unterstützung, Respekt, Liebe, Anerkennung, Ruhe. Das kann sehr unterschiedlich sein!

nächster Schritt: Hier gibt es für mich mehrere Möglichkeiten, je nachdem welches Bedürfnis gerade stärker ist. Entweder: Mir ist Ordnung gerade sehr wichtig, dann räume selbst auf. Oder: Ich frage mein Kind, ob es mir hilft. Oder: Ich frage jemand anderen um Hilfe.

Folgendes ist mir besonders wichtig: Wenn es mir um Respekt und Liebe geht, dann vertraue ich darauf, dass mein Kind mich respektiert und mich liebt. Es hat rein gar nichts damit zu tun, dass mein Kind gerade nicht aufräumen will.

Vielleicht brauche ich auch Ruhe und Entspannung, und denke ich könnte mir diese nicht gönnen, wenn es unordentlich ist: Dann sorge für mich selbst, indem ich mir sage, dass ich eine ordentliche Wohnung habe und gerade eben Spielzeug herum liegt. Ich gebe mir selbst Anerkennung und klopfe mir auf die Schulter, dass ich so lebe, wie ich es mir wünsche. Ich gönne mir Ruhe und eine Pause, weil ich genau das jetzt gerade brauche.

2 Angst

Wolfsshow: Oh mein Gott, wie hoch klettert sie denn da! Wenn sie fällt, müssen wir ins Krankenhaus. Hoffentlich passiert nichts Schlimmes.

Beobachtung: Meine Tochter klettert auf ein Klettergerüst, etwa 3 Meter Höhe.

Gefühl: Ich habe Angst.

Bedürfnis: Fürsorge, Gesundheit, Vertrauen

nächster Schritt: Ich sage nichts und behalte meine Sorge bei mir. Ich nehme leichte Verletzungen in Kauf. Ich schätze das Verletzungsrisiko auf dem Spielplatz als gering ein. Es ist mir wichtiger, dass meine Tochter lernt, dass ich auf ihre Fähigkeiten vertraue.. Ich glaube daran, dass sie selbst einschätzen kann wie hoch sie klettern kann. Sie fragt um Hilfe, wenn sie sie braucht.

Bei lebensbedrohlichen Situationen wie im Straßenverkehr mache ich natürlich keine Kompromisse. Ebenso im Schwimmbad und in der Badewanne, lasse ich sie nie alleine, selbst, wenn sie darum bitten würde.

3 Trauer

Wolfsshow: Ich bin so traurig. Jetzt ist sie da oben bei der Tagesmutter. Weinend habe ich sie da zurückgelassen. Hoffentlich schreibt die Tagesmutter gleich das alles ok ist. Hoffentlich geht es ihr gut. Hoffentlich ist das richtig was ich hier mache. Hätte ich nicht doch noch warten und länger bei ihr bleiben sollen?

Beobachtung: Meine Tochter weinte, als ich sie bei der Tagesmutter verabschiedete.

Gefühl: Trauer, Hilflosigkeit

Bedürfnis: Fürsorge, Liebe

nächster Schritt: Ich sollte mich entscheiden, ob ich es in Kauf nehmen will, dass sie beim Abschied weint oder die Eingewöhnung abbrechen. Ich habe die freie Wahl und kann für meine Tochter und mich frei entscheiden. Ich erlaube mir, traurig zu sein. Ich habe ein Ziel, dass ich verfolge und nehme mein Gefühl dafür in Kauf.

Wenn man in dieser Situation einen Job hat, kann man sich überlegen, wie wichtig dieser Job ist. Brauche ich ihn, um meine Familie zu ernähren, habe ich leider keine andere Wahl. Das Bedürfnis, die Familie finanziell abzusichern, wird normalerweise wichtiger sein.

4 Freude

Wolfshow: Och, ist das süß! Sie hat mir ein Bild zum Muttertag gemalt. Ohne Aufforderung. Einfach so. Ist das süß!

Beobachtung: Meine Tochter überreicht mir ein selbst gemaltes und ausgeschnittenes Bild am Abend des Muttertags.

Gefühl: Freude

Bedürfnis: Liebe, Anerkennung, Fürsorge

nächster Schritt: Ich sage meiner Tochter, dass ich mich freue und genieße den Moment.

Zusammenfassung

Damit du dir bewusst darüber wirst, warum du fühlst was du fühlst, kannst du also erstmal damit anfangen deine Gefühle den 4 Grundemotionen zuzuordnen: Wut, Angst, Trauer und Freude.

Mit Hilfe der gewaltfreien Kommunikation kannst du lernen Verantwortung für deine Gefühle zu übernehmen, statt andere dafür verantwortlich zu machen.

In fünf Schritten erlaubst du dir zuerst völlig unreflektiert alle negativen, wuterfüllten, ängstlichen oder traurigen Gedanken einen Raum zu geben. Im Anschluss reflektierst du was wirklich faktisch passiert ist, welches Gefühl du fühlst und welches Bedürfnis für dich dahinter steckt. Erst ganz am Ende überlegst du dir eine Lösung.

Du wirst merken, dass sich diese Lösungen vermutlich von deinem ersten Gedanken zur Veränderung unterscheiden wird. Du wirst nicht mehr denken, die anderen müssten sich verändern, sondern überlegst, was du selbst ändern kannst.

Du bist die einzige Person, die du ändern kannst!

 

Zum Weiterlesen

Gewaltfreie Kommunikation, Marshall B. Rosenberg

praktische Selbstempathie, Gerlinde R. Fritsch

Warum uns Kinder manchmal so wütend machen, Blog: gewünschtestes Wunschkind

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