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Werde Investor*in an der Börse in 5 Schritten – Finanzmonat Mai Teil 4/5

Investieren Börse Sonja Martin Elterncoach

Gastartikel von Philipp von Phinanzielle Freiheit

Philipp Phinanzielle Freiheit

Heute geht’s ans Eingemachte. Philipp erklärt uns die 5 wichtigsten Schritte, um an der Börse mit wenig Aufwand passiv zu Investieren. Ein wenig sollte man sich da schon auskennen, bevor man sich für eine Investition entscheidet. Immerhin ist der Plan dies passiv zu tun und über Jahre hinweg den gleichen Plan zu verfolgen.

Philipp ist 23 Jahre jung und studiert Medizin. Neben seinem Studium beschäftigt er sich mit dem Investieren. Darüber schreibt er auf seinem Blog “PHInanzielle Freiheit”. Für meinen Blog ist er jetzt das dritte Mal in Folge mit einem Artikel über die Börse und das Investieren zu Gast. An dieser Stelle nochmal ein herzliches Dankeschön! Es freut mich total einen jungen Experten auf dem Gebiet für meine Finanzreihe gewonnen zu haben!

Falls du die ersten Artikel des Finanzmonats Mai auf diesem Blog noch nicht gelesen hast kannst du einen Schritt zurück gehen und meinen Artikel über die Grundlagen eines verantwortungsvollen Umgangs mit Geld und deine Verantwortung als Vorbild für deine Kinder lesen. Im nächsten Artikel erklärt Phillipp warum die Börse nicht böse ist, und warum es sich lohnt sich mit dem Thema zu beschäftigen. Der Artikel, der diesem voran geht erklärt die Grundlagen des passiven Investierens und warum dies nicht mühsam oder kompliziert ist. Und jetzt viel Spaß mit dem folgenden Artikel, der etwas mehr in die Tiefe geht und dich auf deinem Weg des passiven Investierens voran bringt.

Einleitung

Ein*e passive*r Investor*in benötigt fünf Dinge: Grundlegendes Wissen, einen Index, einen ETF, einen Broker und einen Sparplan. Das klingt zwar nach vielen Anforderungen, so schlimm ist es aber nicht. Schauen wir uns das gemeinsam an und lösen den gordischen Knoten der privaten Geldanlage auf.

1. Besitze grundlegendes Wissen

Auf grundlegendes Wissen, sind wir bereits im letzten Artikel eingegangen und werden dieses hier erweitern. Zusätzlich, kannst du dir gerne meinen kostenlosen Leitfaden zum Thema passives Investieren anschauen.

2. Du weißt was ein Index ist

Durch das passive Investieren, musst du keine einzelnen Unternehmen suchen, sondern kannst in ganze Indizes investieren.

Das Wort “Index” hast du vielleicht schon mal im Wirtschaftsteil der Zeitung gelesen. Dabei handelt es sich einfach um eine Liste von Unternehmen, die anhand definierter Kriterien zusammengestellt wird. Es gibt unzählige Indizes. Für uns als passive Investoren sind aber nur die richtig Großen interessant, wie beispielsweise der MSCI World Index*. In diesem sind die 1600 (!) größten Unternehmen aus den 23 Industriestaaten enthalten. Er deckt somit circa 85% der Weltwirtschaft ab.

*Der MSCI World is nur ein Beispiel für einen breit diversifizierten Index. Ich gebe hier ausdrücklich KEINE Empfehlung für einen Index ab!

3. Du kennst dich mit Exchange Traded Fund (ETF) aus

Es wäre doch super, wenn man unkompliziert in nahezu die gesamte Weltwirtschaft investieren könnte und somit einen Anteil an deren Entwicklung hätte.

Gute Nachricht: ETFs bieten genau diese Möglichkeit an!

Für passive Investoren sind ETFs das Um und Auf. Gehen wir kurz darauf ein wofür die Buchstaben stehen und wie ein ETF funktioniert.

Buchstabensalat

E-Exchange / T-Traded Die ersten beiden Buchstaben sind schnell erklärt. Exchange-Traded bedeutet, dass diese Fonds an der Börse gehandelt werden können. Wie das funktioniert, erkläre ich noch.

F-Fund Ein Fonds ist ein Produkt, das Gelder von Anlegern einsammelt und diese in weiterer Folge investiert.

Wie funktioniert ein ETF?

Einem ETF liegt immer ein Index zu Grunde. Diesen versucht der ETF möglichst genau in der Wertentwicklung abzubilden.

Diese Abbildung (Replikation) ist ein bisschen komplizierter und die genaue Erklärung, würde den Rahmen dieses Blogartikels sprengen. Falls du dich damit beschäftigen möchtest, möchte ich dir meine Blogartikel zur physischen bzw. zur synthetischen Replikation empfehlen. Links zu den beiden Artikeln findet du am Ende dieses Beitrags.

Wichtig für diesen Artikel und ein grundlegendes Verständnis ist: Ein ETF kopiert einen Index.

Was kostet ein ETF?

Natürlich legt ein Anbieter einen ETF nicht aus reiner Nächstenliebe auf. Er möchte damit Geld verdienen. Um das zu schaffen, muss er Gebühren von dir verlangen. Werfen wir einen Blick auf diese.

Total Expense Ratio (TER)

Eine gute Kennzahl für die Kosten eines ETFs ist die sogenannte TER (Total Expense Ratio). Das Bestechende hierbei ist, dass die TER einfach und unkompliziert aus dem “Factsheet” eines ETFs abgelesen werden kann.

Anders als es der Name es suggeriert, sind hier allerdings leider nicht alle Kosten ersichtlich.

Folgende Gebühren sind in der der TER enthalten:

  • Verwaltungsgebühren (Management, Wirtschaftsprüfung, etc.)
  • Depotbankgebühren
  • Marketinggebühren
  • Lizenzgebühren (Gebühren die ETF-Anbieter an den jeweiligen Index-Eigentümer bezahlen muss)

Diese Punkte sind nicht in der TER enthalten:

  • Erträge aus Wertpapierleihe
  • Transaktionskosten auf der Ebene des Fonds

Total Cost of Ownership (TCO)

Mit dieser Kennzahl, werden tatsächlich ALLE Kosten, die mit dem Besitz eines ETFs einhergehen angezeigt.

Jetzt denkst du vielleicht darüber nach, warum die TER für dich dann überhaupt relevant sein sollte. Ganz einfach: Die TCO findest du weder im Factsheet, noch auf der Seite des ETF-Anbieters. Das liegt daran, dass es für die TCO keine gesetzlichen Regelungen in Europa gibt.

Zurecht stellst du dir die Frage, wie du ETFs anhand einer Kennzahl vergleichen sollst, die du nirgendwo findest. Wie kann man die tatsächlichen Kosten nachvollziehen?

Tracking-Error

Der Tracking Error ist der Unterschied zwischen der tatsächlichen Rendite des ETFs und der Rendite des abgebildeten Index. Angenommen ein Index erreicht eine Rendite von 1% in einem Jahr und der ETF “nur” 0,9%, beträgt der Tracking-Error -0,1%.

Durch diesen Tracking Error, kann man die Gesamtkosten für den Besitz des ETFs abschätzen. Der Vorteil dabei ist, dass diese Kennzahl oft im Factsheet ausgewiesen ist. Wichtig ist es hierbei allerdings nicht nur auf den Tracking Error des letzten Jahres zu achten. Man sollte hier definitiv länger Zeiträume wählen. Am besten bildet man einen Durchschnitt aus den letzten fünf bis zehn Jahren.

Generell sind die Kosten, für einen breit diversifizierenden ETF, gering und sollten zumindest unter 0,75% pro Jahr sein. Der ETF, in den ich investiere, hat eine Gebühr von circa 0,2%. Verglichen mit aktiven Fonds, die manchmal sogar über 3% jährliche Gebühren verlangen, ist das wirklich zu vernachlässigen.

4. Du entscheidest dich für einen regelmäßigen Sparplan

Ein Sparplan eignet sich gerade für langfristige passive Investoren ausgezeichnet, für den stetigen Vermögensaufbau. Dabei wird in regelmäßigen Abständen, eine definierte Summe, in einen oder mehrere ETFs investiert. Diese Summe bestimmt du selbst. Es gibt Sparpläne, die du bereits ab 25 oder 50 Euro im Monat besparen kannst.

Durch die regelmäßigen Investitionen, musst du dir auch keine Gedanken über den “richtigen” Einstiegszeitpunkt in den Aktienmarkt machen. Du kaufst mehr Anteile zu geringeren Preisen, wenn der Markt fällt und weniger Anteile, wenn er gerade hoch ist. Dieser Effekt wird als Cost-Average-Effekt bezeichnet.

Diese Sparpläne sind ebenfalls sehr flexibel und können immer an die jeweiligen Umstände angepasst werden. Die Sparrate kann jederzeit geändert werden.

Nutze den Zinseszinseffekt für dich

Durch einen Sparplan und einer positiven Entwicklung deines ETFs, kannst du den Zinseszinseffekt für den langfristigen Vermögensaufbau nutzen. Vom Zinseszinseffekt, hast du sicherlich schon gehört, falls nicht, rate ich dir, dich damit zu beschäftigen. Wenn es um den Vermögensaufbau geht, ist er nämlich dein bester Freund!

5. Du wählst einen für dich passenden Broker

Vielleicht denkst du, dass das bis hierhin alles gut klingt, hast aber keine Ahnung wie du an so einen ETF kommst. Du hast zwar im Supermarkt Ausschau gehalten, aber leider nichts gefunden.

Um in ETFs anzulegen, brauchst du einen Broker. Der Broker ist, wenn man so will, der Supermarkt für die Geldanlage. Dort kannst du alle möglichen Wertpapiere, ETFs, und ähnliche Produkte kaufen und verkaufen. Für den Service den der Broker bietet, möchte er diverse Gebühren haben.

Die Vielzahl der Broker, die es im Moment gibt, kann die Auswahl eines solchen relativ mühsam machen. Durch Vergleichsportale, wird die Suche allerdings wesentlich erleichtert. Die Portale, die ich empfehle sind der Broker-Vergleich (Deutschland) bzw. der Broker-Test (Österreich).

Bei der Auswahl eines Brokers achte ich auf folgendes:

Depotgebühren

Depotgebühren bezahlst du für die Lagerung deiner Wertpapiere. Diese Kosten sollten möglichst gering sein. Mittlerweile gibt es einige Broker, die überhaupt keine Depotgebühren verlangen. Diese sollte man sich zumindest näher anschauen.

Steuereinfachheit

Ein weiteres Kriterium, ist Steuereinfachheit. Dabei kümmert sich der Broker um die Abführung der Kapitalertragssteuer und spart dir die Arbeit. Wenn du Geldanlage schon mühsam und unsexy findest, dann wird die Steuer auch kein Feuer in dir entfachen! 😉

Sparplanfähigkeit

Zusätzlich ist es wichtig, dass der Broker überhaupt die Möglichkeit bietet, via Sparplan in ETFs zu investieren. Sonst funktioniert das passive Investieren nicht vollautomatisiert und du müsstest dich wieder selbst um regelmäßige ETF-Käufe kümmern. Aber genau das wollen wir ja eigentlich nicht.

Gebühren für Sparplan-Ausführungen

Was ebenfalls wichtig ist, ist es auf die Gebühren für die Ausführung eines Sparplans zu achten. Diese wird bei jeder Ausführung deines Sparplans fällig. Hier gibt es mit dem absoluten und dem fixen zwei Gebührenmodelle, die sich jeweils für unterschiedliche Anleger eignen. Das fixe Gebührenmodell richtet sich vor allem an Anleger, die in regelmäßigen Abständen, mehr Geld investieren wollen, während das prozentuelle Modell für eher geringere Investitionsraten geeignet ist.

Schauen wir uns dazu zwei kurze Beispiele an: Gehen wir davon aus, dass wir monatlich 100€ investieren wollen und dafür beim absoluten Modell 2€ bezahlen müssten, während wir beim prozentuellen 1% der Kaufsumme bezahlen. Wir würden also für diese Investition entweder 2€ oder 1€ bezahlen. Nachdem wir ja immer auf die Rendite schauen, machen wir das auch hier. Beim absoluten Modell würden 2%, (2€ von 100€) der Investitionssumme, von den Gebühren aufgefressen werden, während es beim absoluten nur ein Prozent wäre. Bei diesen Verhältnissen lohnt sich das prozentuelle Modell mehr.

Wenn wir aber 300€ investieren, schaut das ganze schon anders aus. Da würden wir beim absoluten (fixen) Modell wieder die 2€ bezahlen, während wir beim prozentuellen Modell 3€ (1% von 300€) bezahlen würden. In Renditepunkten ausgedrückt wäre das 0,6% für das absolute Modell (2€ von 300€) und 1% (3€ von 300€) für das prozentuelle. Bei dieser Summe und den entsprechenden Gebühren, wäre also das absolute Modell zu bevorzugen.

Welcher Broker sich für dich lohnt, hängt also von der Investitionssumme und der Höhe der jeweiligen Broker-Gebühren ab. Hier lohnt es sich den Taschenrechner auszugraben und ein bisschen herumzurechnen.

Zusammenfassung

Mit ETFs, kannst du in diverse Aktienindizes investieren. Für die Abbildung des Index stehen verschiedene Methoden zur Verfügung, die sich deutlich unterscheiden.

Beim langfristigen Investieren, können Kosten eine große Rolle spielen. Aus diesem Grund, lohnt es sich die Jahresrenditen diverser ETFs zu vergleichen um somit Rückschlüsse auf die TCO (Total Cost of Ownership) ziehen zu können.

Damit du mit dem Investieren loslegen kannst, brauchst du einen Broker und einen Sparplan. Die Gebührenmodelle der Broker unterscheiden sich häufig. Dabei lohnt sich ein prozentuelles Modell vor allem für kleinere Investitionssummen, während sich ein absolutes Modell für größere eignet.

Das ganze Thema ist sicherlich zu komplex, um es in einem Blogartikel ausführlich behandeln zu können. Aus diesem Grund habe ich einen eigenen kostenlosen Leitfaden für passive Investoren geschrieben, den du dir gerne auf meiner Website herunterladen kannst.

Ich hoffe, dass ich dich mit diesem Artikel ein bisschen für die passive Geldanlage begeistern konnte. Falls du Fragen oder Anregungen hast, freue ich mich immer über Feedback per Mail (philipp@phinanzielle-freiheit.at).

Zum Weiterlesen

KEINE ANLAGEBERATUNG ODER EMPFEHLUNG: Die vom Autor dieses Artikels behandelten, ETFs, Fonds, und weitere Anlageformen, sind immer mit Risiken behaftet. Alle Texte sowie die Hinweise und Informationen stellen keine Anlageberatung oder Empfehlung dar. Sie wurden nach bestem Wissen und Gewissen aus öffentlich zugänglichen Quellen übernommen. Alle zur Verfügung gestellten Informationen (Gedanken, Prognosen, Kommentare, Hinweise, Ratschläge, etc.) dienen allein der Bildung und der privaten Unterhaltung.

Finanzmonat Mai

Artikel 1: Grundlagen der Finanzbildung in 5 Schritten
Artikel 2: Die Börse ist nicht böse – Gastartikel von Philipp
Artikel 3: Geldanlage ist nicht mühsam und kompliziert – Gastartikel von Philipp
Artikel 4: Werde Investor*in in 5 Schritten – Gastartikel von Philipp
Artikel 5: Taschengeld – Alles was du wissen musst

Bildquelle: Photo by Micheile Henderson on Unsplash

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