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Grundregeln moderner Partnerschaften Teil 2

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Wie versprochen der zweite Teil der Grundregeln einer Partnerschaft oder Paarbeziehung nach Koschorke. Ich finde einiges ist oder sollte zumindest selbstverständlich sein. Wir machen uns jedoch selten bewusst, welchen Regeln dieses kleine Beziehungssystem unterliegt und ich hatte beim Lesen wieder einige Aha-Effekte. Ich stelle dir im Folgenden die sieben wichtigsten Grundregeln vor. Dabei stelle ich die Grundregeln von Koschorke so vor, wie ich sie für mich verstanden und interpretiert habe. Ich habe sie auch teilweise in eine andere Struktur gebracht als im Buch. Aber siehe selbst:

1. Keiner darf sich selbst aufgeben

Wenn ich diesen Grundsatz mal früher gekannt hätte. In meinen früheren Beziehungen habe ich der Liebe wegen viel zu viel von mir selbst aufgeben. Immerhin liebte man sich ja, und das war doch das Wichtigste, oder?

Nach meiner letzten Beziehung habe ich mich selbst wieder viel besser kennen gelernt und wieder ein Gefühl dafür bekommen, was mir eigentlich gut gefällt und was mir wichtig ist. Dafür hat man als Single ja viel Zeit.

Jedoch gerade in einer Partnerschaft gilt: Du darfst dich selbst nicht aufgeben. Oder positiv formuliert:

Du darfst in einer Liebesbeziehung du selbst bleiben!

2. Beide Partner*innen sind gleichberechtigt

Wir leben im 21. Jahrhundert, richtig? Das sollte eigentlich klar sein! Und doch fallen wir gerade nach der Geburt eines Kindes wieder in alte Rollenklischees.

Auf einmal ist es die Frau und Mutter, die sich hauptsächlich um den Säugling kümmern MUSS. Er geht arbeiten. So wie in guten alten Zeiten. Ach echt? Heute haben wir die Freiheit und die Möglichkeit unser Familienleben so zu gestalten wie wir es möchten! Und das darf in einer modernen Partnerschaft besprochen werden.

Klar, Sie stillt, wenn sie will! Das kann Er nicht. Aber davon abgesehen können sich Männer genausogut um einen Säugling kümmern wie eine Frau. Wirklich!

Beide Partner*innen haben die gleichen Pflichten.

Aus gleichen Rechten folgen gleiche Pflichten. In einer modernen Partnerschaft haben beide Partner*innen die gleichen Rechte, und damit auch die gleichen Pflichten. Daraus folgt, dass jeder bereit sein MUSS alles zu machen.

In einer Partnerschaft hat jeder die gleichen Rechte und Pflichten: Damit ist jeder bereit alles zu machen.

Um auf mein obiges Beispiel zurück zu kommen: Die jungen Eltern haben einen Säugling. Sie sind also beide GLEICH verantwortlich für sein Wohlergehen. Das heißt beide Eltern sind bereit den Säugling zu füttern, zu wickeln und zu pflegen, zu beruhigen und schlafen zu legen.

Ich höre schon deinen Protest: Was ist denn mit dem Stillen? Wenn ihr euch als Paar darauf einigt, dass euer Kind gestillt werden soll und der Teil der Partnerschaft, der dazu fähig ist zustimmt, dann ist das eure Absprache. Alternativ gibt es Flaschennahrung. Ihr müsst euch überlegen was EUCH wichtig ist.

Noch ein Beispiel aus einer Partnerschaft ohne Kinder: Typische Frauen- oder Männeraufgaben gibt es nur in alten Rollenklischees. Niemand sagt euch heute, wer kocht, Wäsche wäscht, Reperaturen in der Wohnung oder am Auto oder Fahrrad vornimmt, die Steuern macht und Verträge für Versicherungen abschließt. KEINER gibt euch das vor. Das könnte ganz allein ihr als Paar entscheiden. Man kann sich mit Aufgaben übrigens auch abwechseln.

In einer Partnerschaft entscheidet ihr als Paar, wer welche Aufgaben übernehmen soll und nicht das Geschlecht!

Die Partner*innen sprechen sich gegenseitig Dank und Wertschätzung aus

In einer Partnerschaft leisten wir viel, dass nicht nur für uns alleine ist, sondern auch für unsere Beziehung. Dafür haben wir Dankbarkeit und Wertschätzung verdient. Umgekehrt sind wir es unserer Partner*in schuldig Dankbarkeit und Wertschätzung für ihre*seine Leisung auszusprechen.

Wie oft nehmen wir Dinge für selbstverständlich hin anstatt sie wahrzunehmen und dankbar zu sein. Das gilt nicht nur für Etwas, dass jemand anderes für uns tut, sondern auch, was uns am heutigen Tag begegnet ist, unsere Gesundheit, der Sonnenschein, eine schöne Blume, die wir am Wegesrand entdecken.

Diese Dankbarkeit zu empfinden tut uns gut. Und sie auszusprechen und damit unserem Gegenüber Wertschätzung entgegenzubringen ist wichtig für unsere Beziehungen. Auch unseren Kindern gegenüber!

Es ist dieses für Selbstverständlich-Nehmen, dass ich persönich für giftig halte. Wir können uns zwar selbst Anerkennung und Wertschätzung dafür entgegeben bringen. Wird unsere Leistung jedoch nicht gesehen und gewertschätzt, ist das für eine Beziehung erkaltend.

Wärmend hingegen sind die Worte des Dankes, die nicht einfach so dahin gesagt sind, sondern die so gemeint sind.

3. Keiner versucht den anderen zu ändern

„Ich würde dich um nichts in der Welt ändern wollen, Sassenach.“ sagt Jamie zu Claire in Outlander (nach Diana Gabaldon).

Wie schön! Wir dürfen in einer Beziehung so bleiben wie wir sind (es sei denn wir WOLLEN uns verändern. Siehe Punkt 7) Eigentlich sollte das klar sein. Aber wie oft hatte ich Selbstzweifel und habe sie auch heute noch, wenn ich jemanden kennen lernen. Dabei darf ich so sein wie ich bin. Und entweder es passt oder es passt nicht.

Soll eine Beziehung auf Dauer für beide Partner*innen lebenswert sein, dann ist es der Weg die Unterschiede anzuerkennen. Gelingt mir das auf Dauer nicht, dann könnte es sein, dass diese Beziehung mir nicht mehr passt.

„Im Alltag zeigt sich Liebe als Respekt und Zuneigung.“

Martin Koschorke, Keine Angst vor Paaren, 2019

Respekt heißt dabei, den Anderen im seinem So-Sein zu lassen. Jeder hat seine eigene Art und möchte dafür nicht verurteilt und kritisiert werden. Wir möchten alles respektvoll behandelt werden. Dabei gilt es auch die Grenzen Anderer zu achten.

4. persönliche Grenzen müssen respektiert werden

Dass wir die körperlichen Grenzen unseres Lieblingsmenschen achten ist hoffentlich klar. Wenn dies nicht der Fall sein sollte: Renn!

Hier geht es darum, dass wir sogenannte Terreitorien besitzen, die ebenfalls zu uns gehören. Das können zum Beispiel das Handy, der eigene PC oder Laptop, Handtasche oder Rucksack sein. Bei diesen Beispielen ist es ziemlich klar, dass da keiner ohne meine Erlaubnis dran gehen darf.

Aber auch der eigene Schreibtisch oder ein bestimmter Bereich im Badezimmer können dazu gehören. Wir stören uns, wenn andere Familienmitglieder hier etwas verändern, ohne zu fragen. Bei mir ist es der Schreibtisch. Das war mir früher gar nicht bewusst. Es stört mich, wenn hier jemand anderes etwas ablegt, oder sich die Schere nimmt ohne zu fragen – oder ohne sie zurück zu bringen – noch schlimmer! Das liegt daran, dass ich diesen Bereich als mein Territorium wahrnehme. Zuerst unbewusst. Jetzt bewusst. Das ist MEIN Schreibtisch. War er schon immer. Und was glaubst du was in mir los war, als ich vorschlug ihn abzubauen, als wir in der kleinen Wohnung kaum Platz für ein Kinderbettchen hatten?

Unsere Territorien dürfen ohne unsere Zustimmung nicht betreten werden.

Territorien können zeitliche Räume sein

Territorien sind nicht nur bestimmte Orte in der Wohnung. Territorien können auch zeitlich abgegrenzt sein. Zum Beispiel gehört das Sofa Nachmittags den Kindern, aber Abends den Eltern! Das ist mir nochmal bewusst geworden, als ich dieses Buch kürlich las. Bei mir ist das auch so. Ich möchte Abends meine Ruhe haben. Allein. Ohne Kind. – Oder mit dem Liebsten, falls der demnächst dazu kommt. Daher hat es mich gestört, wenn meine Tochter Abends noch bei mir sitzen möchte, wenn sie noch nicht schlafen kann.

Seit mir mein Bedürfnis nach meinem eigenen Raum am Abend klar ist, kann ich dieses auch vertreten. Ich ihr erklärt, dass ich das Sofa als meinen Bereich wahrnehme, wenn „Feierabend“ ist, und dass ich Zeit für mich brauche. Ich habe sie gebeten in ihrem Zimmer oder im Bett zu bleiben und und Hörspiel zu hören oder ein Buch zu lesen.

In meinem Territorium bin ich die Chefin. Wenn ich beispielsweise kochen möchte und mein Partner mir helfen würde, dann ist die Küche mein Territorium, ich die Chefin und er der Zuarbeiter. Wenn das nicht geklärt ist gibt es Streit. Dann will er vielleicht Kokosmilch in der mediterranen Nudelsose, obwohl ich das Rezept doch anders geplant hatte. Und schon liegt man sich in den Haaren.

Ein anderes Beispiel, dass etwas komplexer ist: Mein Partner wäre Dienstags immer zuständig die Kinder in den Kindergarten zu bringen und sie morgens fertig zu machen. Mich stört zum Beispiel, dass er ihnen keine Regenjacken anzieht, obwohl der Himmel bedeckt ist. In diesem Fall darf ich mich nicht einmischen. Er ist gerade Chef für die Aufgabe „Kinder in die Kita bringen“ und damit verantwortlich.

Beide Partner*innen respektieren für die Dauer der Absprache, dass einer von beiden Chef*in für eine Aufgabe ist und gibt die Verantwortung an den Anderen ab.

Die Zuständigkeiten über Küche, Steuererklärung, Garten, Kinder, Müll, etc. können sich abwechseln. Es ist nur wichtig, dass beide Partner*innen mit diesen Absprachen zufrieden sind. Wenn ich ungern das Bad putze und meinerm Partner macht das gar nichts aus und er ist bereit dies auf alle Ewigkeit zu erledigen, dafür kehre ich immer den Hof. Dann ist das unsere Absprache. Wir müssen uns nicht abwechseln, aber wir können. Absprachen können auch revidiert werden. Wenn ich es in 10 Jahren im Rücken habe und den Hof nicht mehr kehren und den Schnee nicht mehr räumen kann, und er ebensowenig, dann leisten wir uns vielleicht eine Hilfe, die diese Aufgaben für uns erledigt.

5. Paare gehen einen unbewussten Vertrag ein

Zu Beginn einer Beziehung gehen Paare einen unbewussten Beziehungs-Vertrag ein. Sie versprechen sich, dass es von nun an immer so weiter gehen möge: Sie sind gerne beisammen, verbringen gerne Zeit miteinander. Lesen dem Anderen jeden Wunsch von den Lippen ab, haben oft Sex. Das unausgesprochene Versprechen ist es, dass sich daran in Zukunft nichts ändern wird.

In der Realität ist es jedoch so, dass sich Beziehungen verändern. Die ersten Hormone, die uns die Verliebtheit bringen, sind nach etwa zwei Jahren aufgebraucht. Nach vier Jahren ist nichts mehr davon übrig.

Eine Beziehung verändert sich. Wir dürfen lernen die Veränderung willkommen zu heißen.

Und das ist meiner Meinung nach die hohe Kunst. Wir können nicht erwarten, dass eine Beziehung so bleibt, wie in der ersten Phase der Verliebtheit. Das wäre naiv. Beziehungen verändern sich. Es ist wichtig, dass sich die Partner*innen mitteilen, was sich für sie persönlich verändert hat. Welche Bedürfnisse haben wir jetzt? Was brauchen wir jetzt? Wo möchten wir hin? Welche Wünsche für die Zukunft haben wir?

Wenn wir akzeptieren, dass es Veränderung gibt, fällt es leichter damit umzugehen, als wenn wir den Anspruch haben den status quo aufrecht zu erhalten.

Nichts ist so beständig wie der Wandel.

Heraklit

6. Wir führen ein emotionales Konto

Man kann sich das wie ein Bankkonto vorstellen. Nach Koschorke führen wir ein emotionales Konto auf dem wir positive, wie negative Erfahrungen in der Beziehung abspeichern.

Die Bedeutung dieses Kontos wirst erst dann sichtbar, wenn es ins Negative rutscht. Das positive Konto ist leer und das negative Konto ist gut gefüllt. Keine Gute Lage in einer Partnerschaft.

Koschorke schreibt, dass diese Bilanzierung zu den normalen biologischen Systemen in unsrem Körper gehört. Es ist natürlich ein solches Konto zu führen. So wie unser Körper seine Temperatur konstant hält, will er das emotionale Konto ausgeglichen halten. Unser Körper arbeitet sehr ökonomisch.

Wenn unsere Bedürnisse und Erwartungen in der Partnerschaft nicht (mehr) erfüllt werden, empfinden wir Mangel. Und wir wir im vorherigen Punkt 5 (Paare gehen einen unbewussten Vertrag ein) gelesen haben, können die Erwartungen an eine Paarbeziehung, die es in der Phase der Verliebtheit gab, nicht auf Ewig erfüllt werden. Wir und die Paarbeziehung entwickeln sich weiter. Im besten Falle zum Positiven.

Eine weiteres Axiom in Koschorkes Buch:

Partner*innen äußern ihren Unmut und ihr Mangelgefühl in der Regel nicht sofort, sondern meistens erst viel später.

Über das warum spekuliert er, dass das positive Konto so gut gefüllt sei, dass der eine negative Eintrag kaum ins Gewicht falle.

Ich persönlich denke, dass wir nicht lernen unseren Unmut konstruktiv zu äußern. Wut ist in unserer Gesellschaft ein wenig aktzeptiertes Gefühl. Wir wollen, dass alles gut ist und viele von uns schlucken diesen Ärger, bis das negative Konto voll ist und wir nicht mehr können. Zumindest ich habe das früher oft so gemacht und versuche nun möglichst bald meinen Unmut anzusprechen. Das gelingt mir auch heute nicht immer. Und: wie wir gleich sehen werden: Wir entwickeln uns immer weiter.

Koschorke bringt eine weitere Metapher ins Spiel: Die Mikrowelle. Unsere Seele habe eine Mikrowelle, mit der sie alte Verletzungen und negative Gefühle sehr schnell aus der Tiefkühltruhe auftauen könne. Mir erscheint das sehr passend, da ich vermute, dass ich nicht alleine mit diesem Phänomen dastehe: Nicht besprochene Probleme konnte ich nach längerer Zeit in jedem neuen Streit wieder aufwärmen. Nicht schön!

Ein weiterer Grundsatz ist eventuell bekannter:

Es braucht fünf positive Erlebnisse, um ein negatives aufzuwiegen. (nach John Gottman)

7. Wir entwickeln uns weiter

Dieser Punkt knüpft an Punkt 5 an. Wir können nicht glauben, dass unsere Beziehung so bleibt wie am Anfang. Genausowenig bleiben wir selbst oder unser*e Partner*in dieselbe Person, wie am Anfang der Beziehung. Wir entwickeln uns alle weiter. Und das ist gut so. Stell dir vor, wir würden persönlich nicht wachsen und uns nicht weiter entwickeltn, wir würden nichts lernen und keine Fortschritte im Leben machen.

Wir entwickeln uns alle weiter. Auch in einer Partnerschaft. Akzeptieren wir das, ist es möglich darüber zu sprechen und den*die Partner*in immer wieder neu kennen zu lernen.

Ich glaube, es ist möglich sich zusammen weiter zu entwickeln, gemeinsam die nächsten Schritte zu machen. Wenn wir uns davon erzählen, gehen wir als Paar gemeinsam nach vorne. Schweigen wir, entwickeln wir uns vielleicht auseinander.

Wie ist deine Meinung?

Wie denkt du über diese Grundregeln, wie ich sie aus Koschorkes Buch entnommen habe? Gibt es für die Aha-Effekte oder nickst du beim ein oder anderen Punkt? Oder kannst du die Regeln so nicht annehmen und möchtes hier deine Kritik loswerden?

Es ist wichtig kritisch zu hinterfragen, ob das was wir lesen oder sehen für uns zutrifft und hilfreich ist. Als Coach frage ich nach jedem Schritt, ob du diesen annehmen kannst. Falls ja: Was wird in Zukunft dadurch möglich? Wenn du diese Erkenntnisse verstehst, wie verändert sich dein Alltag und dein Leben (zum Positiven)?

Schreib es mir in die Kommentare!

Literatur

Martin Koschorke, Keine Angst vor Paaren!: Wie Paarberatung und Paartherapie gelingen kann – Ein Praxishandbuch – Leben Lernen 259, 4. Auflage, 2013

Hier geht’s zu Teil 1 der Grundregeln moderner Partnerschaften.

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