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Taschengeld – Alles was du wissen musst – Finanzmonat Mai Teil 5/5

Taschengeld Taschengeldtabelle Sonja Martin Coach Kindererziehung

Wie viel Taschengeld sollte ich meinem Kind geben? Sollte ich ihm überhaupt welches geben? Ab wann sollte ich damit anfangen? Ist es gut meinem Kind Taschengeld zu geben? Fördert es seine Fähigkeiten und Kompetenzen?

Wenn du dir eine der obigen Fragen stellst, dann ist dieser Artikel für dich. Es ist der abschließende Artikel meiner Aktion „Finanzmonat Mai“ zu der noch 4 weitere Artikel gehören. Im ersten Artikel erkläre ich dir in 5 Schritten, wie du deinem Kind ein Vorbild im Umgang mit Geld sein wirst. Denn ich bin davon überzeugt, dass unser Vorbild sehr wichtig ist. Das Lernen am Modell hat Alfred Bandura schon in den 1960er Jahren beschrieben.

Die Artikel 2-3 hat Philipp von Phinanzieller Freiheit als Gastartikel für meinen Blog geschrieben! An dieser Stelle noch einmal herzlichen Dank für deine Arbeit Philipp! Er erklärt uns warum die Börse nicht böse ist, warum Geld anzulegen nicht mühsam und kompliziert sein muss und wie du tatsächlich in 5 Schritten zur Investor*in wirst.

Heute schließe ich die Artikelserie zur Finanzbildung mit einem praktischen Artikel ab. Denn es geht um’s Taschengeld. Die Zuteilung von Taschengeld ist eine einfache und praktische Möglichkeit dein Kind erste Erfahrungen mit Geld machen zu lassen.

Ist Taschengeld wichtig für Kinder?

Es kommt auf dein Erziehungsziel an. Was möchtest du mit Taschengeld erreichen? Mir ist es wichtig mein Kind zu einem unabhängigen, selbstständigen Menschen zu erziehen. Für mich gehört der Umgang mit eigenem Geld dazu. Daher ist Taschengeld meiner Meinung nach wichtig für Kinder. Das eigene Taschengeld gibt dem Kind ein Stück Unabhängigkeit und Selbstbestimmung. Das Kind lernt, dass es selbst finanzielle Entscheidungen treffen kann, ohne Mama oder Papa fragen zu müssen. Es kann sich mit seinem Geld kaufen, was es selbst möchte.

Das funktioniert natürlich nur, wenn du dein Kind darin bestärkst dies zu tun. Wenn du ihm das Taschengeld gibst und sagst: „Es ist deine Entscheidung was du damit kaufen möchtest.“ Und zwar immer: Auch wenn dein Kind nur Süßigkeiten anschleppt; und das wird aller Voraussicht nach passieren oder Plastikspielzeug, dass du gar nicht magst und gar nicht unterstützen willst! Auch dann sage: „Es ist dein Geld. Du darfst dir dafür kaufen, was du möchtest.“ Wenn dich dein Kind nicht danach fragt, ob DIR das Spielzeug oder die Süßigkeit gefällt, brauchst du dies gar nicht zu kommentieren.

Denn das oberste Ziel beim Taschengeld ist Unabhängigkeit erleben und Verantwortung übernehmen. Auch, wenn dadurch andere Werte hinten an stehen, wie zum Beispiel Nachhaltigkeit, wegen des Plastikspielzeugs. Allerdrings ist es auch sehr nachhaltig deinem Kind den Umgang mit Geld und das Übernehmen von Verantwortung beizubringen. Daher finde ich es übrigens wichtig, dass du dir deiner drei wichtigsten Werte bewusst wirst! Darüber habe ich bereits in einem anderen Blogartikel geschrieben.

Ab welchem Alter sollte ich meinem Kind Taschengeld geben?

Du kannst im Kindergartenalter bereits anfangen deinem Kind Taschengeld zu geben. Du kannst auch bis zur Grundschulzeit warten. Ich finde du solltest auf die individuelle Entwicklung deines Kindes achten. Jedes Kind ist unterschiedlich und entwickelt sich anders. Manche Kinder haben schon früh Interesse daran etwas zu kaufen, „haben“. Wenn dein Kind im Supermarkt oft fragt, ob es „das haben“ kann, dann kannst du darüber nachdenken ein Taschengeld einzuführen.

Bei mir gab es lange die Regel, dass man sich im Supermarkt eine Sache zusätzlich aussuchen darf. Was darüber hinaus geht durfte sie sich von ihrem eigenen Geld kaufen. Ich denke, dass diese klaren Regeln zu weniger Konflikten führen. Jeder darf selbst entscheiden, was er*sie mit ihrem Geld macht. Ich im übrigen auch Ich: Da ich entscheide, dass ich eine Süßigkeit kaufe und dass ich Taschengeld vergebe. Mittlerweile ist Einkaufen übrigens langweilig. Jetzt nehme ich eine Bestellung entgegen und bringe eine Sache aus dem Supermarkt mit.

Du entscheidest also selbst darüber, wann du anfangen möchtest deinem Kind Taschengeld zu geben. Natürlich gibt es Empfehlungen und Anregungen, aber am Ende ist es deine Entscheidung, bzw. die des Elternpaars. Mir ist es wichtig, das zu betonen, da ich möchte, dass ihr euch als Eltern kompetent fühlt und ich euch stärken möchte. Du bist die*der Expert*e*in für dein Kind!

Wie viel Taschengeld sollte ich meinem Kind geben?

Die Höhe des Taschengelds hängt vom Alter, bzw. dem Entwicklungsstand, den Wünschen des Kindes und den Möglichkeiten des Haushalts ab in dem es lebt. Du entscheidest selbst wie hoch das Taschengeld deines Kindes sein soll!

In diesem Artikel möchte ich dir natürlich trotzdem Anregungen zur Höhe des Taschengeldes geben. Überlege dir was dein Kind in einer Woche von diesem Geld kaufen können sollte. Es wird empfohlen, dass kleine Kinder zum Beispiel eine Kugel Eis pro Woche kaufen können sollten. (Auf mehr Eis, kannst du ein Kind ja einladen!) Was mag dein Kind am Liebsten? Eine Tafel Schokolade? Lollis? Ein kleines Spielzeugauto? Ein Aufkleber? Einmal die Woche sollte sich dein Kind diesen Luxus selbst leisten können.

Im Kindergarten würde ich etwa 50 ct bis 1 Euro pro Woche geben. Das hängt wie gesagt vom örtlichen Eiskugelkurs ab.

In der Grundschulzeit dürfen es schon mehrere Euros pro Woche sein. Ich handhabe es zur Zeit so, dass die Höhe des Taschengeldes der Zahl ihrer Klassenstufe entspricht. Das lässt sich für mich leichter merken. Das heißt jedes Jahr gibt es eine Taschengelderhöhung.

Ab der weiterführenden Schule sollte sich das Taschengeld den Bedürfnissen weiterhin anpassen. Kinder ab 10 Jahren möchten sich vielleicht eine Zeitschrift kaufen. Jugendliche möchten in die Stadt gehen und sich etwas zu Essen und zu Trinken von ihrem Taschengeld kaufen. Es kommt immer mehr den Freizeitausgaben und damit dem Budget für Freizeit eines Erwachsenen gleich. Über die Einteilung von Budgets habe ich in Teil 1 der Artikelserie geschrieben.

Die Höhe des Taschengeldes hängt natürlich auch vom Einkommen der Eltern ab. Wenn dein Haushaltsbudget kein höheres Taschengeld zulässt, dann ist das so. Wie du dein Haushaltsbudget planst habe ich im ersten Artikel des Finanzmonats Mai beschrieben.

Taschengeldtabelle des Bundesministeriums

Als Orientierung für eine angemessene Höhe des Taschengeldes gibt es eine Taschengeldtabelle vom Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, die ständig aktualisiert wird. Diese Tabelle darfst du als Empfehlung verstehen. Wie gesagt: Du selbst entscheidest darüber wie viel Taschengeld du als angemessen empfindest.

Unter 6 Jahre:            0,50-1,00 Euro/Woche
6 Jahre:            1,00-1,50 Euro/Woche
7 Jahre:            1,50-2,00 Euro/Woche
8 Jahre:            2,00-2,50 Euro/Woche
9 Jahre:            2,50-3,00 Euro/Woche
10 Jahre:            15,50-18,00 Euro/Monat
11 Jahre:            18,00-20,50 Euro/Monat
12 Jahre:            20,50-23,00 Euro/Monat
13 Jahre:            23,50-25,50 Euro/Monat
14 Jahre:            25,50-30,50 Euro/Monat
15 Jahre:            30,50-38,00 Euro/Monat
16 Jahre:            38,00-45,50 Euro/Monat
17 Jahre:            45,50-61,00 Euro/Monat
ab 18 Jahre:            61,00-76,00 Euro/Monat
Quelle: Familienportal des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. abgerufen am 31.05.2020

Wie oft sollte das Taschengeld ausgezahlt werden?

Bei jüngeren Kindern sollten die Abstände wann Taschengeld gezahlt wird kürzer sein, da sie noch keine langen Zeiträume überblicken können. Diese Fähigkeit entwickeln sie erst im späteren Grundschulalter.

Ab der weiterführenden Schule kannst du überlegen, ob du das Taschengeld monatlich auszahlen möchtest (wie in der Tabelle empfohlen). Damit übergibst du deinem Kind auch die Verantwortung dafür sich das Geld selbst einzuteilen.

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Es ist wichtig, dass du das Taschengeld pünktlich und ohne Bedingungen an dein Kind auszahlst. Dein Kind sollte dich nicht danach fragen müssen. Dann wäre das Ziel, die Vermittlung von Unabhängigkeit und Selbstständigkeit, zerstört. Ich stelle mir eine Erinnerung in meinem Handy, die mich wöchentlich daran erinnert.

Juniorgirokonto für Jugendliche?

Bei älteren Kindern kannst du auch über ein Girokonto für das Taschengeld nachdenken. Dieses sollte natürlich nicht überzogen werden können. Informiere dich bei deiner Bank. Für ein Juniorkonto werden normalerweise die Unterschrift beider Eltern benötigt. Das könnte für Alleinerziehende ein interessanter Punkt sein. Daher informiere dich über die Angebote der Banken.

Ich finde die Idee mit der Junior-Girokarte reizvoll, da ich selbst gerne bargeldlos bezahle und ich dort auch die Zukunft sehe. So kann das Kind in einem sicheren Rahmen erste Erfahrungen mit dem Bezahlen mit der Karte und dem Planen eines digitalen Budgets machen. Jugendliche mit eigenen Smarphone können, genauso wie du, ihre Ausgaben in einer App dokumentieren und am Ende des Monats auswerten. Ich selbst nutze die App „Mein Budget“ von der Stiftung Deutschland im Plus, die dauerhaft kostenlos ist und alle Funktionen anbietet, die du brauchst um deine Bugets im Blick zu behalten.

Sei langfristig ein Vorbild für dein Kind!

Mit deinen jugendlichen Kindern kannst du sicherlich noch weitere Maßnahmen treffen, um ihnen ein gutes Vorbild zu sein. Du kannst neben dem Taschengeld, dass im Grunde ein Freizeitbudget ist, ein Buget für Kleidung einführen. Und du kannst deinem Kind deine eigenen Einnahmen und Ausgaben transparent machen. Du kannst ältere Jugendliche den Wocheneinkauf erledigen lassen (mit dem Fahrrad?), inklusive dem Planen und Zubereiten des Sonntagsessens für die ganze Familie und Freunde? Was ist bei euch üblich? Welche Aufgaben kann dein immer erwachsener werdendes Kind übernehmen?

Führe ein zweites Budget für Kleidung ein

Jugendliche können selbst Verantwortung für ihre Kleidung übernehmen. Dazu kannst du deinem jugendlichen Kind ein zweites Budget für Kleidung zur Verfügung stellen. Besprecht zusammen, dass dafür Kleidung angeschafft werden soll, die du vorher aus dem Haushaltsbudget finanziert hast. Überlegt gemeinsam ob dieses Budget monatlich, quartalsweise oder halbjährlich ausgezahlt werden soll. Dazu könnt ihr wie in meinem Grundlagenartikel Schritt 2 vorgehen, und alle Kontoauszüge der letzten Monate überprüfen und auf Ausgaben für Kleidung untersuchen. Wie hoch waren die Ausgaben? Die Höhe der Ausgaben kann über die Höhe des geplanten Budgets entscheiden. Oder hast du bereits ein Budget für Kleidung eingeplant? Dann übergebe die Verantwortung und das Geld ab sofort deinem Teenager.

Mache die Finanzplanung der Familie transparent

Ja, Geld ist ein Thema über das spricht man nicht! Das geht niemanden was an! Schon gar nicht mein Kind! – Das finde ich schade. Ich finde Kinder sollten als Teil der Familie Schritt für Schritt damit vertraut gemacht werden, wie die Familie ihre Finanzen plant. Da dies kein Schulfach ist: Woher sollen unsere Kinder lernen mit ihrem Geld verantwortungsbewusst umzugehen?

Du kannst deinem Kind, wenn es in der Schule im Bereich der 1000er in Mathematik angekommen ist, die Familienfinanzplanung als Rechenaufgabe zur Verfügung stellen. Ich verweise schon wieder auf meinen ersten Artikel dieser Serie: Du kannst mit deinem Kind zusammen die 5 Schritte durchgehen, beziehungsweise deine Finanzplanung in verschiedene Budgets erklären.

Wenn dein Kind in der Lage ist abstrakt zu denken, und das ist nach Piaget ab einem Alter von 11-13 Jahren vollständig entwickelt, dann kannst du deinem Kind erklären was die Börse ist, was Aktien sind, was ETFs sind und wie man sein Geld investieren kann, sodass es nicht von der Inflation aufgefressen wird. Diese Zusammenhänge erklärt uns Philipp von Phinanzieller Freiheit in seinen Gastartikeln auf diesem Blog, falls du dich selbst zu diesem Thema noch weiterbilden möchtest (Alle Links am Ende des Artikels).

Finanzbildung ist wichtig

Finanzbildung war wie gesagt eher nicht Teil der Schulbildung und ich hatte bis vor kurzem keinen blassen Schimmer von all dem. Aber mittlerweile empfinde ich das Thema als so grundlegend und wichtig, dass ich ihm einen ganzen Monat auf meinem Blog gewidmet habe. Der Umgang mit Geld beschäftigt uns im Alltag mehr als jede Kurvendiskussion (sorry liebe Kurvendiskussion, dass du immer als Beispiel herhalten musst!) und sollte daher auch als wichtig erachtet werden!

Zusammenfassung

Eltern dürfen die Finanzbildung und den Umgang mit Geld ihrem Kind so beibringen und so ein Vorbild sein, wie sie es möchten. In meiner Artikelserie informieren Philipp und ich dich über die wichtigsten Zusammenhänge.

Ich habe Philipp am Anfang unserer Zusammenarbeit für diese Serie gefragt: „Was glaubst du sollten Eltern ihren Kindern vermitteln, wenn es um das Thema Finanzen geht?“ Er sagt:

Ich denke es ist für Eltern wichtig, ihren Kindern schon früh zu vermitteln, dass es wichtig ist mit Geld umgehen zu können. Aus diesem Grund, denke ich, dass es wichtig für Kinder ist Taschengeld zu bekommen. Wenn sie bis sie 16 sind nie über eigenes Geld verfügen, hatten sie bis dahin keine Möglichkeit sich damit zu beschäftigen.

Bei jüngeren Kindern ist es sicher sinnvoll klein zu beginnen und mit ihnen ein bisschen über das Sparen von Geld zu sprechen. Wenn sie älter und reif genug dafür sind, könnte man das dann steigern und über verschiedene Arten der Geldanlage reden.

Philipp von Phinanzieller Freiheit

Zum Weiterlesen

Ich finde, das ist ein sehr schöner Abschluss für diese Serie. Lies auch die anderen Artikel des Finanzmonats Mai:

Artikel 1: Grundlagen der Finanzbildung in 5 Schritten
Artikel 2: Die Börse ist nicht böse – Gastartikel von Philipp
Artikel 3: Geldanlage ist nicht mühsam und kompliziert – Gastartikel von Philipp
Artikel 4: Werde Investor*in in 5 Schritten – Gastartikel von Philipp
Artikel 5: Taschengeld – Alles was du wissen musst

Was noch interessant sein könnte:

Gesetzestext im BGB zum Taschengeld: Kinder ab 7 Jahren dürfen Geschäfte tätigen, die sie mit ihren eigenen finanziellen Mitteln bestreiten können. (Kinder unter sieben Jahren sind grundsätzlich nicht geschäftsfähig)

Mein Budget von der Stiftung Deutschland im Plus: Diese App hat alle Funktionen die du benötigst, um deine Budgets für deine variablen Ausgaben im Blick zu behalten. Sie ist dauerhaft kostenlos und ohne Werbung.

Wie setzt du Finanzbildung in deinem Alltag mit deinem Kind um? Schreib‘ mir in den Kommentaren!

Bildquelle: Image by Alexas_Fotos from Pixabay

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